Todd Rundgren, Emil Nikolaisen, Hans-Peter Lindstrøm Runddans & Todd Rundgren Global

Todd total! Während Rundgrens 25. Soloalbum Global an musikalischer Clownerie leidet, produziert er im Schulterschluss mit Hans-Peter Lindstrøm und Emil Nikolaisen melancholischen Soul-Pop, der weit ins All zielt. Ernstzunehmen.

Todd ist Gott. So lautet das Credo der Jünger eines der exzentrischsten Musiker und Produzenten des Pop. »Todd Is God« sang einst auch die schottische Band The Pearlfishers zu Ehren von Todd Rundgren, jenem Mann, dem die Welt Songs wie »I Saw The Light« oder »Sometimes I Don’t Know What To Feel« verdankt und der Alben wie Meat Loafs Bat Out Of Hell produzierte. Für die einen hat er mit Something/Anything? das definitive Popdoppelalbum schlechthin abgeliefert, für die anderen ist die verschrobene Mehrspurorgie A Wizard, A True Star sein Meisterwerk. Beide Alben entstanden Anfang der Siebzigerjahre.

45 Jahre später ist Rundgren wieder da. Wobei er gar nie weg war. Er produziert bis heute in unregelmäßigen Abständen Alben, seit einiger Zeit jedoch unter Ausschluss einer größeren Öffentlichkeit. Für etwas mehr Aufmerksamkeit könnte zur Abwechslung Runddans sorgen, ein gemeinsames Projekt mit den Norwegern Hans-Peter Lindstrøm und Emil Nikolaisen. Im Winter 2012 traf das Trio in Oslo zusammen und legte das Fundament für die Startrampe zu einem psychedelisch-kosmischen Sound-Trip, der als ein einziger, in zwölf Abschnitte unterteilter 40 Minuten langer Track einige Stationen in Rundgrens Schaffen Revue passieren lässt.

Runddans ist eine weitgehend instrumentale Angelegenheit, in deren Zentrum ein Song steht, dessen Harmonien, Melodie und Refrain das ganze Album hindurch als Leitmotiv wiederkehren: »Put Your Arms Around Me« ist Rundgren in Reinform, melancholischer Soul-Pop, der weit ins All hinaus zielt und mit diversen Verfremdungen davor bewahrt wird, allzu nostalgisch zu geraten. Die Kombination von Rundgrens verdrehtem Popverständnis, Lindstrøms bombastischen Disco-Malereien mit ihren kreiselnden Arpeggi und Nikolaisens Studiomanipulationen entpuppt sich als eine der bislang größten Überraschungen des Jahres. Mit einem Comeback von Rundgren hatte kaum jemand ernsthaft gerechnet, erst recht nicht mit einem solchen Triumph, bei dem sogar das altmodische Einwahlgeräusch eines Modems seinen angemessenen Platz zwischen Vibrafon-, Gitarren- und Synthesizerklängen einnimmt.

Vor kurzem erschien mit Global zudem Rundgrens 25. Soloalbum – das bedauerlicherweise an der ausgeprägten Neigung des Künstlers zu musikalischer Clownerie leidet. Im Alleingang elektronisch produziert klingt das Ergebnis wie eine krude Mischung aus Prog-Rock, New Wave im Stile der Cars und Entwicklungen der Clubmusik halbwegs jüngeren Datums. Rundgren scheut dabei nicht vor ernsten Themen in albernem Gewand zurück, was unfreiwillig komisch wirkt. In der Hinsicht könnten mehr Projekte mit jüngeren Kollegen vermutlich nicht schaden. Mit denen scheint Rundgren seine Kräfte deutlich besser bündeln zu können als auf sich allein gestellt. Something/Anything? hat Rundgren 1971 zwar auch als Soloprojekt eingespielt und dabei sämtliche Instrumente und die gesamte Produktion übernommen. Aber ein solches Meisterwerk gelingt eben nicht alle Tage. Nicht einmal Gott.

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