To Pimp A Butterfly-Artwork: Wie Kendrick Lamar und Fotograf Denis Rouvre Geschichte fortschreiben

Kendrick Lamar ist der Black-Hippy-goes-Majordeal-Wildwuchs des Rap. Aber seine Wurzeln reichen tief: »Its the American dream nigga.«

Was bekannt ist:
Es war seine Woche. Rap-Revoluzzer Kendrick Lamar hat nicht nur Schlagzeilen gemacht, weil er im US-Radio über diverse Notorious B.I.G.-Beats (»The What«, »Kick In The Door«, »Respect«) freestylte – Lamar war gerade sieben Jahre alt, als B.I.G. in einem Krankenhaus geschätzte 30 Autominuten von dessen Wohnort seinen Schussverletzungen erlag, sein Todestag jährte sich am Montag zum 18. Mal. Via Instagram hatte Kendrick Lamar zudem das Cover-Artwork seines am 23. März erscheinenden Albums (Update: schon jetzt auf itunes veröffentlicht) gedroppt. Inklusive anfänglichen Spekulationen, ob die vier in Großbuchstaben getippten Worte im zugehörigen Statement ein Hint auf den Titel der LP seien. Sie sind es. Die Platte zur bereits veröffentlichten Single »i«, dem Ferguson-Referenztrack »The Blacker The Berry« sowie »King Kunta« (Audio oben) wird To Pimp A Butterfly heißen, gestern wurde die komplette Tracklist (unten) nachgeschoben.

Was neu ist:
Der Name des Fotografen, der hinter dem Schwarz-Weiß-Shot steckt. Der Franzose Denis Rouvre, Preisträger des World Press Photo Award, der nicht nur Kirsten Dunst und Oliver Stone ablichtete, sondern vor allem durch die Dokumentation senegalesischer Wrestler, die nichts weniger im Sinn haben, als lebende Götter zu werden, zu Bekanntheit gelang, unterwarf all seine Fotoprojekte seit den frühen Neunzigern dem Credo: »I need a direct, clear and head-on relationship with people.« Es kommt also nicht von ungefähr, dass Rouvre sich von Lamar, dessen Label Top Dawg Entertainment und Manager Dave Free für die visuelle Umsetzung der Protest-Vision vor dem White House engagieren ließ: »Hip-hop has gained such an obsessive audience and unwavering cultural clout because it’s one of few art forms that’s as literal as it is figurative, and photography is undoubtedly analogous«, so der The Fader-Kommentar zum Brückenschlag zwischen dem französischen Fotokünstler und dem 27-jährigen new king of Cali aus Compton.

Was interessant ist:
Straight Outta Compton in mind – Lamar ist mit seiner Botschaft nicht allein. Abgesehen davon, dass geschwärzte Augen wie die des von aufbegehrenden Compton-Kids niedergetrampelten weißen Richters in der frontraw bei Lamar Tradition haben – bereits das Artwork zur Vorgänger-LP Good Kid, M.a.a.d. City spielte mit dem Verfremdungseffekt (Foto unten) – dockt das in Polaroid-Optik geschossene Bild einer Horde oberkörperfreier, schwarzer, den Rapper mit Baby auf dem Arm umzingelnder Halbstarker mit Scheinen in den Händen und Zorn in den Augen an eine Reihe von HipHop-Cover-Klassikern an. Die explizit politische Botschaft der Post-Blues-Ära-Künstler, die die Themen Hautfarbe und damit implizierte soziale und politische Ungleichbehandlung fortwährend zum Gegenstand ihrer Texte machten, fand auf den Plattenschubern auch ihre optische Vergegenwärtigung.

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Das This Is Madness-Cover der Last Poets, das 1971 die brennende Botschaft der Black Power-Bewegung sinnbildlich lodernd spiegelte, darf genauso als ikonografischer Wegbereiter des Lamar-Artworks gesehen werden wie etwa der Public Enemy-Klassiker It Takes a Nation of Millions to Hold us Back oder Bad Brains gleichnamiges Debüt aus dem Jahr 1982.

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Bilder: theguardian.com

Wenn der Titel To Pimp A Butterfly sich bei der Harper Lee-Erzählung To Kill A Mockingbird bedient, ist der mutmaßlich tote white judge als Referenz an John Taylor zu verstehen, der nicht verhindern konnte, dass ein schwarzer Mann zu Unrecht für die Vergewaltigung einer Weißen angeklagt wurde. Während diese Verbindungslinie bisher Spekulation bleibt, darf mit Sicherheit behauptet werden, dass Ab-Soul, Danny Brown und Jhene Aiko 2012 ausspuckten, was Lamar, Holiday, Sun Ra, Hill und deren Wegbereiter Bessie Smith im Geiste vereint: »If we could link up every gang / And niggas is willing to share the pain / We’d put the White House lights out today (…) I ain’t got no gavel / I ain’t finna fight nobody battle / I just wanna be free / I ain’t finna be nobodies chattel«.

Tracklist To Pimp a Butterfly
01.) Wesley’s Theory
02.) For Free? (Interlude)
03.) King Kunta
04.) Institutionalized
05.) These Walls
06.) U
07.) Alright
08.) For Sale? (Interlude)
09.) Momma
10.) Hood Politics
11.) How Much A Dollar Cost
12.) Complexion
13.) The Blacker The Berry
14.) You Ain’t Gotta Lie (Momma Said)
15.) i
16.) Mortal Man

3 KOMMENTARE

  1. Awesome article! I found it quite interesting how you mentioned Sun Ra and the Last Poets because i’ve always gotten that type of vibe from a few songs from this „To Pimp A Butterfly“ album. Especially the more spoken-word poetry sounding songs like both interludes „For Free?“ and „For Sale?“

    Check out my in-depth review of this album, I think you’ll enjoy it.
    https://dilsonmusic.wordpress.com/2015/08/06/to-pimp-a-butterfly-a-track-by-track-review-part-1/

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