The Ting Tings Super Critical

Gut, endlich wieder! The Ting Tings machen auf ihrem neuen Album Super Critical nichts Neues. Aber alles richtig.

Dass The Ting Tings sich nach ihrem echt miserablen zweiten Album Sounds From Nowheresville noch einmal berappeln würden, hatte wohl niemand auf dem Zettel. Das bunte Potpourri aus zig Stilen und Versatzstücken von 2012 wirkte derart inspirations-, lust- und kopflos, dass man das eigentlich so toll gewesene Duo (»Great DJ«!) aus Salford, UK schon in der Schublade mit der Etikette »Great first album wonder, dann Fanta-Werbesong, dann aus die Maus« abgelegt und vergessen hatte.

Und jetzt Super Critical. Darauf machen Katie White (Gesang, Gitarre, Bass) und Jules de Martino (Schlagzeug, Gesang) nichts, was nicht bereits viele vor ihnen gemacht hätten. Aber: Die Songs sind gut, endlich wieder! White, jetzt mit gelocktem big hair à la Alison Goldfrapp, und de Martino räubern diesmal nicht bei den Indiepop-Ahnen von The Cure bis New Order, sondern in der Discoplattenkiste und zwar fast ausschließlich, bis auf seltene und kurze Streifzüge an, sagen wir, Spandau Ballet vorbei. Discopop heißt das Programm genau genommen. Man denke an die ganz junge Madonna in New York City, die Beats des Tom Tom Club hallen noch in den Straßen wider, die Danceteria war noch in Manhattan und nicht in den Hamptons. Oder an den Cliquenurlaub an der Costa Blanca anno 1985 und die Musik, zu der man in den Touristendiscos getanzt hat. So in etwa klingen »Do It Again« und die Single »Wrong Club«. Das Titelstück beginnt mit nackten Handclaps und einer funky Nile-Rodgers-Gitarre, bis sich Groove und Bläser ihren Weg auf die Tanzfläche bahnen und von dort gar nicht mehr weg wollen. Katie White macht »ah-hmm« und »yeah«, und das ist auch schon fast alles. Sehr basic – und sehr toll.

Dass mit »Wabi Sabi« eine angekitschte Fingerschnippballade mit pseudoasiatischem Hintergrundsäuseln dabei ist, sorgt zwar für einen kurzen Downer im Mittelteil, ist aber dramaturgisch durchaus geschickt. Schließlich muss man ja irgendwann mal aufs Klo oder eine neuen Rum-Cola holen oder knutschen oder rauchen. Und kann danach erleichtert und erfrischt und euphorisiert weitertanzen zu »Only Love« und immer weiter bis zum so triumphalen wie lässigen Rausschmeißer »Failure«. Vielleicht ist Super Critical auch als Hommage an das Goldfrapp-Album Supernature gedacht (die Frisur!). Das wäre allerdings doch ein arg hochgestecktes und kaum erreichbares Ziel und irgendwie auch komisch. Als Dance- und vor allem Comebackalbum der schon verloren geglaubten Ting Tings aber ist Super Critical nahezu perfekt.

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