Tief, nein: deep

Apropos »… des Jahres«: Vor einigen Tagen erreichte die Spex-Redaktion »Glass Eights«, das Debütalbum des in Berlin lebenden Produzenten und DJs John Roberts. Um es kurz zu machen: Roberts bzw. sein Label Dial Records melden mit dieser äußerst musikalischen Platte indirekt neuen Gesprächsbedarf um das House-etc.-Album-Album des Jahres an.

    Den gebürtig aus Cleveland, Ohio stammenden Roberts zog es bald nach Chicago, dort kam er mehr mit Deep-House denn mit den Ghetto-House-Mixtapes in Berührung, die er noch als Teenager hörte. Beschäftigte er sich in seinem Studium zunächst mit Grafikdesign, folgte darauf bald ein Kunststudium am Art Institute of Chicago. Nach mehreren Umzügen – zunächst nach Berlin, dann New York – lebt Roberts heute im Alter von Mitte Zwanzig wieder in Berlin und ist nun Teil des Labels Dial Records.

    Die Entscheidung seines Signings scheint bei einem Abendessen gefallen zu sein, wie Roberts dem Resident-Advisor-Autoren Ryan Keeling sagte. Romy Zips, Bookerin der Agentur Magnet Musik, habe ein Demo Roberts im Rahmen eines Abendessens verteilt, kurz darauf signalisierten der Dial-Mitbetreiber David Lieske (Carsten Jost) und Hendrik Weber (Pantha du Prince, Stella) ihr Interesse an seinen Produktionen. Vor zwei Jahren stieß Roberts so als erster amerikanischer Produzent zur Dial-Familie, nach vier Singles bzw. EPs sowie seinem Beitrag zur »Dial 2010«-Compilation folgt nun sein erstes Album »Glass Eights«.

    Tief pumpende Basslines, zischende Highhats und zackige Claps werden in »Dedicated« von träumerisch gluckernden Synthesizer-Melodien begleitet, in »Pruned« schieben sich Ambient-Flächen langsam aus dem Hinter- in den Vordergrund, hört man sich sanft steigernde Percussion und schließlich eine dominant einsetzende Klaviermelodie zur satt wummernden Bassdrum. In dem zutiefst melancholischen Stück »Went« kommt Roberts hingegen ohne Bassdrum aus und arbeitet anstelle derer nahezu ausschließlich auf der Klaviatur. Der titelgebende Track »Glass Eights« wiederum besticht durch einen schnellen schaufelnden Bass-Drive, Klavier und Streicher sind hier mehr als Ornament angeordnet.

    »Glass Eights« ist ein äußerst tiefes, nein: deepes Album geworden, eine Aufmerksamkeit fordernde, gleichzeitig zur Hintergrundbeschallung taugliche Platte, deren Stücke sich im Club ebenso hören lassen können wie in hochsommerlicher Brutkastenhitze. Erscheinen wird das Album allerdings erst am 11. Oktober, daneben stehen Remixes für Pawel, Motor City Drum Ensemble und Creep (mit Romy von The XX) auf John Roberts Agenda.

 


STREAM: John Roberts – Pruned

John Roberts Live:
30.07. Olganitz – Nachtdigital 13 (ausverkauft)
10.09. Berlin – Tape Club (mit Drei Farben House)
17.09. Berlin – Panoramabar (Dial Allnighter mit Tyler Pope, Aaron-Carl, Lawrence, Pawel)


John Roberts – Glass Eights
:
01. Lesser
02. Navy Blue
03. Ever or Not
04. Dedicated
05. Interlude (Telephone)
06. Pruned
07. Porcelain
08. August
09. Went
10. Glass Eights

Foto: © John Roberts / Dial Records

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