Tidal for all vs. Tidal for no one – Jay Z und die Hautevolee der US-Musik launchen neuen Streaming-Service

Rapper Kanye West ist bekanntlich der Überkinger der Superlative, ob der Launch des Streaming-Service Tidal, welcher gestern Nacht von der Crème de la Crème der US-Musikgrößen in einem überproduzierten Promo-Video verkündet wurde, nun tatsächlich »der Beginn einer neuen Welt« ist, wird sich zeigen.

Zumindest dürfte die von Jay Z für 56 Millionen Dollar erworbene Musik-Plattform für nervöses Nägelknaubeln bei den Kollegen vom Konkurrenz-Unternehmen Spotify sorgen. Denn die »Zukunft der Musik«, so Vania Schlogel, die Managerin der schwedischen Unternehmensmutter Aspiro, beginne mit dem neuen Flatrate-Web-Streamer ab heute auch für Deutschland, und anders als bei Spotify stehe bei Tidal allein die Musik im Vordergrund.

Große Worte, große Namen: Als Eigentümer des neuen Streaming-Service holte Produzent Jay Z nicht nur seine Ehefrau Beyoncé ins Boot, auch Madonna, Kanye West, Rihanna, Alicia Keys, Calvin Harris, Chris Martin von Coldplay, Daft Punk, Jack White, Jason Aldean, J Cole, Win Butler (Arcade Fire), Régine Chassagne, Deadmau5, Nicki Minaj und Usher posierten fürs Gruppenfoto und unterzeichneten eine Verpflichtungs-Erklärung pro Technologie, contra Kommerz.

Ob Tidal im viralen Haifischbecken der Streamingdienste bestehen kann, wird sich zeigen. Momentan ist der Service in 31 Ländern verfügbar, die Expansionspläne sind stattlich, das Ansinnen, die Kunst in den Vordergund zu rücken, klingt zunächst einmal ehrenhaft. Dennoch sind diese Musiker auch gewiefte Geschäftsleute. Während der Basis-Dienst mit 9,99 Euro zu Buche schlägt, kostet die gehobene Hifi-Version (FLAC-Datei in 1411 Kbit/s) beachtliche 19,99 Euro monatlich, einen werbefinanzierten Gratis-Dienst wie bei der Spotify-Konkurrenz gibt es aus genannten Gründen nicht. Wer zahlt, hat die Wahl zwischen rund 25 Millionen Songs und 75.000 Musik-Videos samt einiger Specials wie etwa dem Daft-Punk-Film Electroma oder dem ersten TV-Auftritt der White Stripes.

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Im Netz hagelt es derweil Kritik. Zum Werbe-Hashtag #TIDALforALL formiert sich eine Gegenbewegung, die unter dem Slogan #TidalForNOONE gegen den Flatrate-Service Wind macht. Unter Beschuss steht vor allem die Preispolitik.

Der britische Produzent Bobby Krlic alias The Haxan Cloak und sein Label setzten zudem aktuell folgende Tweets ab, weil die Tracks »Mara« und »The Mirror Reflecting, Pt. 1« des Briten, der aktuell unter anderem am Björk-Album Vulnicura mitproduzierte, ohne Rücksprache mit dem Künstler im Promo-Video des Streaming-Dienstes verwendet wurden.

haxan cloak

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