Thurston Moore „Rock N Roll Consciousness“ / Review & Verlosung

Klar, Hippie-Scheiß, Punk-Nostalgie. In seiner stoischen, unbelehrbaren und nun auch zur Geisteshaltung erhobenen Verschrubbeltheit ist Moore aber der Essenz des Rock’n’Roll näher denn je.

Pop hasst Nostalgie. Und liebt sie. Die hinterhältige Feindin des Fortschritts. Mit nichts lassen sich mehr Platten verkaufen und nichts führt schneller in die künstlerische Bedeutungslosigkeit. Sonic Youth waren mal das Gegenteil von Nostalgie. Damals, in den frühen Achtzigern, machten Thurston Moore, Kim Gordon und Lee Ranaldo im Grunde No Wave. Da steckte das Nichts schon im Genrenamen: die Verweigerung jeder Genealogie, aller Rückwärtsgewandtheit. Aber was ist heute, da eben dieses Nichts so vertraut heimelig nach der guten alten Zeit klingt? Nach Flanellhemd, JUZ-Revolte und dem Jahr, in dem Punk Mainstream wurde?

Solche Gedanken begleiten einen hinein in die ersten Minuten von Thurston Moores neuem Album Rock N Roll Consciousness. Und da fiepst und dröhnt und ächzt es bald so schön, dass all das Kritikergesäusel im Plektrumschlackern untergeht: Hello Schrubbelgitarre, my old friend, I’ve come to talk with you again. Man müsste dieses fünfte Soloalbum nun Thurston Moores spirituelle Platte nennen, sein Gitarrenyoga, würde das nicht sofort die falschen Assoziationen wecken.

Seelenreinigung für Gitarren-Nihilisten.

„Exalted“ heißt der erste Song, erhaben, das ist die Ansage. Und so klingen auch die ersten Takte: die Gitarre dehnt sich, die Schlagzeugbecken suchen sich Raum. Einatmen, ausatmen. Nach vier Minuten streckt sich die Lead-Gitarre, bäumt sich auf, verdreht sich. Nach sechs Minuten massiert der Bass alles runter. Nach acht Minuten erhebt der Lehrer endlich seine Stimme und raunt etwas von Zukunft und Zeitlosigkeit, von der Prophetin und dem Orakel. Dann ist der Song vorbei. Und der Kopf leer. Seelenreinigung für Gitarren-Nihilisten.

Skeptiker und Ungläubige werden das ganz unbeeindruckt als routiniert runtergerockt bezeichnen. Und dann kommt „Cusp“. Besser: Dann stürzt „Cusp“ herein. Ist schon nach einem Vierteltakt ganz oben. Und steigt noch weiter. Man muss schon kein Herz haben, um diesen Song nicht für das irrste und schönste Frühlingsliebeslied der Saison zu halten. Wieder murmelt Moore zu raunenden Gitarren im besten Esoterik-Lingo von Sonnenstrahlen und vibrierender Liebe. Klar, Hippie-Scheiß, Punk-Nostalgie. In seiner stoischen, unbelehrbaren und nun auch zur Geisteshaltung erhobenen Verschrubbeltheit ist Moore aber der Essenz des Rock’n’Roll näher denn je. Und was soll Rock N Roll Consciousness anderes meinen?

The Thurston Moore Group sind nun auch auf Tour, SPEX präsentiert die vier Deutschlandtermine im Sommer dieses Jahres sowie den Auftritt beim A l’arme! Festival in Berlin.

Zur Entfaltung des Bewusstseins verlosen wir pro Deutschlandtermin (abgesehen vom Konzert in Berlin) je ein Package mit einer LP und 1×2 Konzerttickets. Um an der Verlosung teilzunehmen, senden Sie eine Mail mit Ihrem vollständigen Namen, dem jeweiligen Konzerttermin und dem Betreff „Thurston Moore Group“ an gewinnen@spex.de.

SPEX präsentiert Thurston Moore Group live
20.06. Hamburg – Knust
21.06. Köln – Stadtgarten
30.06. München – Strom
04.07. Dresden – Beatpol
04.08. Berlin – Radialsystem V

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