Review: Thurston Moore The Best Day

Grobe Gitarren und lange Spannungsbögen: Thurston Moores zweites Soloalbum nach der Sonic-Youth-Auflösung.

»The king has come to join the band / The king has come with no demand«. So singt es der König ohne Reich, Thurston Moore, zu Anfang von The Best Day, seiner zweiten Soloplatte nach der Auflösung von Sonic Youth. In den drei Jahren nach dem folkigen Demolished Thoughts hat sich viel getan: der öffentlich ausgetragene Trennungsfall Kim Gordon / Thurston Moore wurde zu den Akten gelegt, Moore tobte sich in Bands wie Chelsea Light Moving und der Black-Metal-Supergroup Twilight aus, um schließlich vorübergehend nach London zu ziehen und sich dort neu zu sortieren.

Wenn Demolished Thoughts ein Versuch war, die Füße wieder auf den Boden zu bekommen, scheuert The Best Day nun selbstbewusst den Teppich auf. Moore gibt Krach und verzerrten Gitarren abermals den Vorzug – eine Entwicklung, zu der auch seine neu formierte Band aus Deborah Googe (My Bloody Valentine), Sonic-Youth-Schlagzeuger Steve Shelley und Gitarrist James Sedwards beigetragen hat. Die Riffs klingen grobkörnig, die Spannungsbögen ziehen sich in die Länge.

Gleich die ersten Akkorde des Openers »Speak To The Wild« versetzten einen auch prompt zurück in die besten Tage von Sonic Youth; ein Leitmotiv für The Best Day. Sei es der knackige Post-Punk von »Detonation« oder die unnahbare Coolness des Titelstücks: Wenn man Sonic Youth kennt, kennt man im Wesentlichen auch Moores neues Album.

Zwei Stücke fallen aber doch aus dem Rahmen, sie klingen eher wie bisher liegengebliebene Ideen aus den Tagen von Demolished Thoughts. »Tape« beginnt mit dem windigen Klimpern einer Sitar und öffnet sich anschließend immer weiter für immer neue Saitenschichten. Und »Vocabularies« ist ein gezupfter Folksong, über dem dunkle Wolken der Beklommenheit aufziehen.

Sonic Youth hat man immer dafür geliebt, dass in ihrer Musik zu jeder Zeit alles denkbar war. The Best Day versucht anzuschließen an dieses Gefühl der völligen Freiheit, bleibt aber in einigen Momenten zu glatt und berechenbar dafür. »Reach for the wild«, singt Moore an einer Stelle, und man muss sich die Betonung fürs Erste auf »reach« vorstellen. Irgendwo da draußen wird es etwas geben für den König ohne Reich. Er sucht weiter.

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