Review: Thunderheist Thunderheist

Die als ekstatische Femcee fungierende, in Nigeria geborene Isis und ihr beatbastelnder Kompagnon Grahm Zilla lernten sich an einem Ort kennen, an dem sich heutzutage viele kennenlernen: auf MySpace. Nachdem der an seinen Synthies vor sich hin bosselnde DJ seiner eher mit angejazztem Hiphop experimentierenden neuen Bekanntschaft versehentlich einen für Spank Rock angefertigten Remix schickt, bekommt er ihn mit zischenden Rap-Vocals versehen zurück. Das war 2006. Im folgenden Jahr machen das auf dem Debüt leider nicht vertretene, von einem Eurythmics-Sample (»Sweet Dreams«) getragene, hysterische »Suenos Dulces« und die »Bubblegum«-EP die Runde in DJ-Kreisen und Blogger-Szenen. 2008 sorgt das Video zu »Jerk It«, einem angenehm stumpfen, amphetaminschnellen Disco-Stomper mit adipösen Bässen, der zugleich Reminiszenzen an Peaches und Technotronic weckt, für Aufsehen. Die beiden hatten einen Videowettbewerb ausgeschrieben, und im Gewinner-Clip zweier Kunststudenten aus Washington ist zu sehen, wie eine spärlich bekleidete Blondine sich am ganzen Körper vibrierend an einem zappelnden Hahn zu schaffen macht. Die Verbildlichung verblasster Metaphern verheißt immer maximale kognitive Auflösungslust. Sie wissen schon: Der Hahn heißt im Amerikanischen »cock«.

    Das Albumdebüt der kanadischen Thunderheist webt aus den Flicken von Miami Bass, Baltimore Club, Crunk und Eurodance einen grobfaserigen Klangteppich. Die tieffrequenten Bässe Zillas sind ein einziges Plädoyer gegen die MP3-Kompression. Bei »Space Cowboy« fühlt man sich in die Paradise Garage im New York der späten siebziger Jahre versetzt. Das soulful intonierte Retrodisco-Stück würde sich in einem DJ-Set wunderbar zwischen Sylvesters »You Make Me Feel (Mighty Real)« und Cerrones »Supernature« einfügen. »Do the Right Thing« schlägt mit seinen aufgerauhten, darken Synthies gar eine transkontinentale Brücke in die Synth-Wave-Vergangenheit von Bands wie The Human League, während »Anthem« wie John Foxx im Daft-Punk-Remix klingt.

    Transzendenz ist dabei anderswo: Es geht ums Tanzen, ums Körpervorzeigen, um die sexuelle Selektion in der modernen Distinktionsarena des Clubs. ›To thunderheist‹ bedeutet im urbanen Slang ›jemandem die Schau‹ stehlen. Schon im Namen manifestiert sich also die bekannte Hiphop-Kompetitivität: besser sein, das dickere Auto fahren, ausgeprägtere sexuelle Ornamente besitzen, der ganze für Nicht-B-Boys leicht befremdliche angeberhafte Kindergartendarwinismus.

    Ein bisschen weniger Füllstoff und Tittenbarmusik (»Nothing 2 Step 2«) und ein paar mehr Tracks von der energetischen Kraft des unwiderstehlichen »LBG (Little Booty Girl)« mit seinen unbefangenen Taktforcierungen hätten diesem vielversprechenden Debüt gut getan.

LABEL: Big Dada

VERTRIEB: RTD

VÖ: 10.04.2009

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