Thieves Like Us „Thieves Like Us“ / Review

Thieves Of Us prägten mit ihrem Sound zwischen Elektronik und Düsterpop den Sound der Nullerjahre – und starben danach einen stillen Tod. Nun legt die Band in neuer Besetzung ein Album vor, das sie zu alter Strigenz führt.

Es ist beunruhigend still geworden um Andy Grier. Nachdem Bleed Bleed Bleed, das vierte Album seiner britisch-skandinavischen Band Thieves Like Us 2012 (angeblich wegen schlechten Managements) gnadenlos floppte, zerfaserte auch das Trio selbst. Björn Berglund und Pontus Berghe, von unzähligen Umzügen und der ewigen Ochsentour durch die Länder dieser Welt ausgezehrt, kehrten der Band den Rücken – und ließen Grier mit seinen Existenzängsten zurück. Und mit der Frage nach der Zukunft dieser Gruppe, die mit ihrem entrückten Stil zwischen Elektronik und Düsterpop Mitte der Nullerjahre den klanglichen Zeitgeist entscheidend mitprägte.

Die Lösung hieß (mal wieder) Berlin. Grier zog wieder an die Spree und schrieb vier Jahre lang an den Songs, die nun auf dem selbstbetitelten fünften Album einen eigenen Kosmos zwischen Swing und betäubter Eingängigkeit entstehen lassen. Thieves Like Us ist ein politisches und referenzielles Album, das seinen Entstehungsort Berlin nicht leugnen kann. Es geht um Liebe in Zeiten der Anonymität und die Suche nach dem eigenen Platz in einer schnelllebigen Stadt. „Dani“, der Opener, ist ein Erbe der melancholischen Großstadtlyrik und erinnert darin an Prince: She was smiling from a window / In a city where i have no connections“. Auch die Single „Jennifer“ thematisiert die Vergänglichkeit der Liebe; unterstützt von einem herausragenden Video zwischen Ausdruckstanz und vergilbten Röhrenfernsehern.

Und doch stehen Thieves Like Us stellenweise im Schatten ihres eigenen Images. Das Cover ist eine Hommage an das 1961 geschossene Foto von DDR-Grenzwächter Conrad Schumann, der seinen Posten verließ, um nach West-Berlin zu fliehen. Hier wird die Geste von einer jungen Frau in der US-amerikanischen Pilotenuniform von Griers Vater aus dem Vietnamkrieg nachgestellt. Subtile Gesellschaftskritik sieht anders aus. Dem damit formulierten Anspruch wird Thieves Like Us jedoch nicht immer gerecht.

Dennoch: Die Oberflächenspannung dieses Albums ist groß. Gerade das Entrückte, das sogar Leiernde der Songs gibt Thieves Like Us den Charakter zurück, den man schon verloren geglaubt hatte. Als rastlose Band in einer komplexen Welt zur eigenen Stringenz zurückzufinden ist beachtenswert.

 

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