The Weeknd: Mixtape »Echoes of Silence«

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   Wie lange geht das wohl noch gut?, fragte man sich bei The Weeknd bereits nach Thursday. Die Masche des heulenden, sentimental-sinnlichen Crooners war nämlich spätestens nach dem zweiten Mixtape durchschaut: egozentrische R‘n‘B-Narrationen; langsam treibend im perfekten Mischverhältnis von Sex, Drogen und der dunklen Seite der Macht. Nun ist mit Echoes of Silence Abel Tesfayes Mixtape-Marathon abgeschlossen, die Trilogie vollendet und der Duktus final erschöpft.

    Auch hier wird wieder pop-relevante Intertextualität betrieben. Bezog sich Tesfaynes bei seinem Erstling House of Ballons (Rezension in Spex #333) noch auf die zeitgeistigen Beach House oder referenzierte die zeitlos dunklen Wellenreiter Siouxsie and the Banshees, schiesst er jetzt lieber mit Kanonen auf Spatzen. Der Opener D.D. entstammt ursprünglich aus keiner geringeren Feder als der des King of Pop. Tesfayne gibt sich hier davon gewohnt unbeeindruckt, singt sich jedoch mit überraschend kraftvollem R‘n‘B-Schneid durch das laut wiederhallende, krachige Gerüst; ein dezent größenwahnsinniger Beigeschmack bleibt zurück.

    Ebenfalls durchaus relevant im Referenzenspiel des rastlosen Egomanen ist der eigene Werkkosmos: Das Eintags-Mädchen aus dem Thursday-Opener Lonely Star (My body is yours / Give them any other day but Thursday / You belong to me / Every thursday) taucht als konstante Bekannte des Verfolgten im neuen Stück Montreal wieder auf, nur um sich dort ihrer erwarteten Desillusionierung zu stellen: You could have been that lonely star If we just went on / Baby I‘m a pro at letting go / I love when they come and go.

   Tesfaynes Lebensmotto erschöpft sich dabei sowohl textlich als auch musikalisch niemals in seiner Getriebenheit, vielmehr wird sein Drang direkt in ausnahmslos glatten R‘n‘B übersetzt. Schließlich ist da dieser niemals versiegende Strom an Körpern, die unerschöpfliche Selbstverausgabung und natürlich der Barcardi der letzten Nacht. Eines lässt sich mit Sicherheit nicht abstreiten: Trotz partiell grenzwertiger Schlüpfrigkeit ist Echoes of Silence ein in sich stimmiger, abgerundeter Entwurf an Songwriting und Komposition. Das bedeutet kreisende Schultern zu sleazy hooklines, ob man das möchte oder nicht.

   Das Mixtape gibt es nachfolgend im Stream zu hören und auf the-weeknd.com als Gratisdownload.

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