The Very Best Makes A King

The Very Best waren am Anfang so viel weiter: Global-Pop-Kitsch auf dem dritten Album Makes A King.

Ende der Nullerjahre entstieg das schwedisch-französische Remmidemmiduo Radioclit dem damals blubbernden New-Rave-Sumpf Londons unter neuem Projektnamen. Die beiden DJs und Produzenten hatten schon eine Weile bei ihren Secousse-Partys Clubmusiken aus diversen afrikanischen Ländern durcheinandergewürfelt. Dann lernten sie Esau Mwamwaya aus Malawi kennen, der sich als herzerweichender Sänger entpuppte. Kurz darauf kloppten sie zu dritt unter dem Namen The Very Best Tracks und Samples von M.I.A. oder Vampire Weekend mit Mwamwayas Gesang in der malawischen Sprache Chichewa zu einem grandiosen postgeografischen Mixtape zusammen.

Ungefähr zur selben Zeit machte in Südafrika der Rapper und Produzent Spoek Mathambo von sich reden, weil er auf seinem Debütalbum Mshini Wam Baltimore-Beats mit südafrikanischen Elementen wie Mbaqanga-Melodien kombinierte – und sogar Joy Division ins Mutterland umbettete. The Very Best und Spoek Mathambo probierten damals aus, wie Popmusik aus afrikanischen Kontexten klingen kann, die ohne Exotismus, dafür aber mit selbstbewusster Africaness im sogenannten »Westen« andockt. Danach aber trennten sich die Wege der beiden Projekte.

So irritierte 2009 schon das reguläre Debüt von The Very Best mit dem eigentlich wunderbar doofen Titel Warm Heart Of Africa, weil sie darauf die Straßentauglichkeit reduziert hatten und stattdessen malawische Genres wie Tchopa/Manganje zu dickem Radiopop aufbrezeln wollten. Richtig unnachvollziehbar wird es aber jetzt mit dem dritten Album Makes A King. Der nunmehr allein verbliebene Produzent Johan Hugo Karlberg setzt Sänger Mwamwaya konsequent zu pompösem Pathos-Pop bis hin zur Ibiza-Hymne als sanften Afro-Troubadour in Szene.

Mwamwayas vermutlich immer noch aus Malawi extrahierte Gesangsmelodien (das Album wurde dort auf dem Land aufgenommen) sind nur mehr Ethno-Ornament vor Großleinwand, aus jedem Track schlägt einem eine Bernhard-Grzimek-hafte Idealisierung entgegen: die ach so edlen Menschen, ihr ach so einfaches, aber glückliches Leben zwischen Löwen, Elefanten und Giraffen unter dem ach so weiten Himmel ..! Was The Very Best auf dem Cover ihres erste Mixtapes noch ironisch aufs Korn nahmen, wird einem hier vollkommen ernsthaft serviert. Und es wird nicht klar, warum, denn The Very Best waren gleich am Anfang doch schon viel weiter. Makes A King ist zwar anders gelagert als Paul Simons Graceland, bietet in seiner Perspektive auf »Afrika« aber doch ähnlichen Global-Pop-Kitsch.

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