The Schwarzenbach Farnschiffe

The Schwarzenbach Farnschiffe
The Schwarzenbach
Farnschiffe
ZickZack / What's So Funny About / Indigo — 26.10.2012

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Farnschiffe heißt das neue Album der Band The Schwarzenbach (Artikel aktuell in SPEX N°341), denn genau das sind Dietmar Dath und das Kammerflimmer Kollektief neuerdings: eine Band. Doch schon bei Name und Albumtitel geht die Überfrachtung ins Reich der überbordenden Metaphern und des poetischen Überschusses los. Die Musik selbst beginnt jedoch mit freundlichen Tonflächen und hoher Tiefenentspannungsdienlichkeit. Über langgezogene Dur-Akkorde, von Piano und Ambientgitarren gespielt, legt sich bald die sonore Erzählerstimme Dietmar Daths, der von einem irgendwie traurigen, aber doch hoffnungsvollen Leben berichtet. Die »Buddhistin mit Zeitjob« wird nicht die einzige weibliche Person bleiben, die – empathisch, aber nicht verliebt – besungen wird.

   Die freundliche Melodie des ersten Songs wird im letzten und längsten der elf Stücke wieder auftauchen, »Amaryllis« (Blütenpflanze und Hirtin in einem Vergil-Gedicht), und bildet somit den Rahmen der Farnschiffe. Man nimmt sich also ganz schön ernst – und irgendwie auch nicht, wie the Bandname vermittelt. Überhaupt: Einerseits kommt das Ganze sehr konzeptalbenhaft daher; unter dem Leitmotiv der in semikryptische Texte verpackten Konsum-und-Hektikgesellschafts-Kritik, die über teils harmonische, teils atonale Jazz-Ambienttracks gesprechsungen werden. Andererseits gibt es da diese ironischen Brüche wie den dritten Song »Seven Shades Of Blue«, in dem Dath so singt als wäre er Lou Reed, und das, zugegeben, gar nicht schlecht. Der Song stammt aber weder von Dath noch von Lou Reed, sondern von der mäßig bekannten und erfolgreichen Beth Nielsen Chapman, deren Original wiederum in der Serie Dawson's Creek zu hören war. Aha! Der Zusammenhang mag sich vielleicht im Buch finden, das Dath über die damals parallel laufende Serie Buffy (die Vampirjägerin) geschrieben hat. Nur habe ich das leider nie gelesen. Wie dem auch sei, der Song bricht mit seinen Slidegitarren und Pianomelodien, die miese Stimmung, die der aufdringliche Song »Nein Sprich Nein Sklave« zuvor noch erzeugt hat.

   Wir haben es bei The Schwarzenbach also mit einer Band mit hohem Kunstanspruch zu tun, die wohl gerne die Sorte art songs schreiben würde wie der späte Scott Walker auf dem Album The Drift, die sich dessen aber so bewusst ist, ja, so komplett durchreflektiert scheint, dass sie ihr eigenes Tun hin und wieder brechen muss. So tut man dem Album paradoxer Weise einen Gefallen, wenn man es doch Song für Song bewertet.

   Und so ranschmeißerisch dieser Anspruch bei gleichzeitig gewollter Lässigkeit auch manchmal sein mag: Daths Interpretation der Musik (oder die musikalische Interpretation des Textes) funktioniert, zum Beispiel auf dem ultrahektischen Stück »Castingflirt«. Dass die Parteien einander gut tun, merkt man auch daran, dass Daths ungeübter, über der virtuosen Musik erklingender Sprechgesang, gerade so großen Spaß macht, weil er das Pathos des Kammerflimmer Kollektiefs aufbricht. Apropos Sprechgesang, ist es nicht erstaunlich, dass sich dazu in jüngster Zeit gleich zwei sogenannte Vielschaffer berufen fühlten? Denn mit James Franco (Dessen Band heißt neuerdings Daddy.) eint Dath, dass beide offensichtlich nicht singen können (wollen), und doch den Drang verspüren, sich auch in diesem Medium zu äußern.

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