The Orb „No Sounds Are Out Of Bounds“ / Review

The Orb knüpfen an ihre eigene Geschichte an – und zeigen, dass No Sounds Are Out Of Bounds vor allem eine wippend-augenzwinkernde Predigt für die Grenzenlosigkeit ist.

Ich verstehe das Supergenre der Electronic Dance Music nicht so richtig. Elektronische Tanzmusik ist ja vieles. Wenn mein Gefühl mich nicht täuscht und ich diese Amöbe einigermaßen zu fassen bekomme, dürften The Orb zu den Paten von so etwas wie der guten Seite der EDM gehören, deren Behauptung dann kultürlich wiederum U- und E-Musik in EDM einzuführen droht.

Im Studium Mitte der Neunziger kaufte ich mir das von The Orb selbst als „kleines Album“ tituliertes Pomme Fritz aus Neugierde und auf der Suche nach etwas anderem als Postpunk, Grunge oder Indierock. Und war wirklich irritiert: Dub, Elektronik, Acid-House, Elemente von Techno, Jungle und Hip-Hop? Der Indie-Spießer in mir wurde durchgeschüttelt und musste lernen, wie unspektakulär und gleichzeitig witzig Hypnose sein kann. Kaum einen Act habe ich jedoch immer wieder so vollständig aus den Ohren verloren. Dabei waren Alex Paterson, einst Jimmy Cauty und dann auch Thomas Fehlmann mit The Orb in ihrer Komplexität, mit ihren unterschiedlichen Referenzen und Sample-Ideen immer irgendwie lässiger als Underworld, Chemical Brothers, Stereo MCs oder sogar The KLF.

Der Indie-Spießer in mir wurde durchgeschüttelt und musste lernen, wie unspektakulär und gleichzeitig witzig Hypnose sein kann.

Mit ihrem siebten Album Okie Dokie It’s The Orb On Kompakt tauchte die Band 2005 schließlich für mich wieder auf, dann aber gleich wieder ab. Nun sind sie mit ihrem neuen Trip namens No Sounds Are Out Of Bounds und zahlreichen Gästen wie etwa Jah Wobble, Brain Eno, Youth, Mary Pearce oder Andy Cain zurück. Tracks wie das downbeatig-dubbige „The End Of The End“, das deepe „Doughnuts Forever“ oder der 15-Minüter „Soul Planet“ knüpfen darauf an The Orbs Geschichte an – und zeigen, dass No Sounds Are Out Of Bounds vor allem eine wippend-augenzwinkernde Predigt für die Grenzenlosigkeit ist. Schließlich werden britische Soldaten mit dem Hinweis out of bounds aus dem Partyleben herausgehalten. Auf klanglicher Ebene predigen The Orb hier Inklusion galore, öffnen Fenster und wachsen weiter. Dub-Rave on.

1 KOMMENTAR

  1. Danke für die Erinnerung an PF – wurde gleich mal wieder „aufgelegt“. Im Vergleich dazu ist NSAOOB ein Meisterwerk an Komplexitätsreduktion. Gern auch mal FFWD von 1994 zu Gehör bringen. Oldie but Goldie.

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