The Notwist Messier Objects

So unnahbar wie ihre Namensgeber draußen im All: The Notwists Messier Objects.

Die deutsche Lieblingskonsensband (neben Tocotronic natürlich) beginnt das neue Jahr mit einer Weggabelung in ihrem ohnehin alles andere als geradlinigen Œuvre: Wenn The Notwist mit Close To Glass vor knapp einem Jahr das fulminante The Devil, You + Me in neue Richtungen weiterdachten, knüpfen die Messier Objects nun bei einer Platte an, die eher zurückhaltend angenommen wurde. Gemeint ist Sturm, die fast bis zur Belanglosigkeit reduzierte Filmmusik zum gleichnamigen Drama von Hans-Christian Schmid aus dem Jahr 2009. Diesmal sind 16 durchnummerierte »Objects« zu hören (gebrochen durch das 13-minütige »Das Spiel ist aus«), die allesamt im Rahmen diverser Theater- und Hörspielproduktionen entstanden sind.

Ihre Titel entlehnen Album und Stücke dem in Astronomiekreisen bekannten Messier-Katalog, einer ersten umfassenden Systematisierung von Galaxien und Sternenhaufen aus dem 18. Jahrhundert. Somit zeigen The Notwist gleich mit dem Oberlehrerstock auf, wie diese Messier Objects zu verstehen sind: als disparat existierende, abstrakte, rein instrumentale Phänomene, die allein durch ihre sterile Nummerierung nebeneinander auf dem Zeichenbrett stehen dürfen. Tickend-flirrender Retrofuturismus, der in den Siebzigern blind von jedem SciFi-B-Movie gekauft worden wäre, reiht sich an The-Caretaker-artige verschwurbelte Sample-Loops oder schwerelose Ambient-Stasis, dazwischen blitzt unter Xylophon und Glockenspiel der eine oder andere klassische Notwist-Moment auf. Mit wenig Dramaturgie, dafür reicher Entfaltung durch Repetition gestalten sich die Messier Objects formal durchaus beeindruckend, doch ohne dazugehörige Bilder respektive Songtexte bleiben die Objekte so unnahbar wie ihre Namensgeber draußen im All.

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