The National Trouble Will Find Me

The National Trouble Will Find Me
THE NATIONAL

TROUBLE WILL FIND ME
4AD / BEGGARS / INDIGO – 17.05.2013

Lang ist die musikalische Tradition, die der sogenannten erhabenen Traurigkeit verschrieben ist, also der Aufwertung der allgemeinen Lebensmissstände und der awkwardness des In-die-Welt-Geworfenseins in etwas Reines, Wunderschönes. Irgendwie lag es nahe, dass diese erhabene Traurigkeit, beispielsweise in den Liedern eines Nick Drake, meist leise und schüchtern klingen musste und nur spärlich von einer Akustikgitarre begleitet war. Aber irgendwie lag es auch nahe, dass die New Yorker Band The National dieselbe Traurigkeit in ein etwas breitwandigeres Format verpackte und Sänger Matt Berninger mit seiner äußerst angenehm brummigen Stimme zwar nicht gerade laut, aber auch nicht mehr ganz so leise und schüchtern dazu sang. Es ist ja nicht gerade ein Leichtes mit diesen schweren Songs: Ständig muss man auf der Hut sein vor zu viel Pathos, Kitsch und Wiederholung, darf aber nicht zu sehr ins Kryptische abdriften, denn es geht ja, wie gesagt, um schwerwiegende, bedeutungsvolle, praktisch anwendbare Wahrheiten.
   So. Verrückt! Da dachte man eigentlich: Beim mittlerweile sechsten Studioalbum von The National muss es jetzt doch mal schiefgehen. Zu viel wurde schon gesagt, zu stilsicher war das letzte Album High Violet aus dem Jahr 2010 und überhaupt, wohin sollte das Ganze musikalisch denn noch führen? So ist es aber nun gar nicht. Trouble Will Find Me ist noch trauriger und noch erhabener als die vorherigen Alben. Sänger Matt Berninger gräbt sich immer tiefer in seine Psyche, stößt dort auf die eigenen »Demons« (so der Titel des zweiten Songs), von denen er nicht loskommt, erfährt später »Humiliation«, ständig weint er und ist un­ glücklich verliebt. »I can’t fight it anymore / I am going through an awkward phase / I am secretly in love with / Everyone that I grew up with«.
   Komisch genug, dass Berninger diese ganzen Probleme so gut stehen. Auch sein mehr erzählender als singender, kurz vor dem Sprechgesang stehender, sonorer Duktus gewinnt auf diesem Album eine ganz neue Größe. Lyrisch ist er sowieso voll da, vor allem dann, wenn es um die schönen Beiläufigkeiten geht: »All the L.A. women / Fall asleep while swimming«.
   Der Sound der Band ist auf seltsame Weise gleichzeitig sehr massig und voll, aber auch straight und zurückgenommen. Mit Piano und Streichern schrammen sie immer nahe am Kitsch vorbei, aber die kleinen Unterschiede machen es: Hin und wieder absichtlich leicht neben dem Beat singen oder schief spielen does the trick.


Mehr Videos von The National gibt es hier auf tape.tv

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