Rund vierzig Jahre nach ihrer Auflösung sind The Monks wieder da. Die fünf ehemaligen G.I.s revolutionierten in den sechziger Jahren Beat-Musik in Deutschland, Werbeikonen wie Charles Wilp und Musiker wie Jon Spencer, Schorsch Kamerun und Faust nennen die Monks als wichtige Inspiration ihrer Arbeit. Die Dokumentation »The Transatlantic Feedback« dokumentiert aktuell die Geschichte der Band, SPEX-Autor Stephan Loichinger besuchte ihr Konzert im Frankfurter Mousonturm.

Schließlich gibt es kein Halten mehr. Auch Dave Day am Banjo löst nun die Kordel um seinen Hals und wirft sie ins johlende Publikum. Drummer Len Curiel schickt sämtliche Sticks hinterher, und er hat einige benutzt. Sänger und Gitarrist Gary Burger reicht schließlich die Setlist einem auffallend enthusiastischen Fan und bedankt sich per Handschlag bei allen, die umgekehrt ihm danken wollen. Und sagt: »Wer uns treffen will, kommt am besten vor den Saal. Wir stehen da in ein paar Minuten.«

TheMonks
The Monks Live in der Berliner Volksbühne, 23.10.2006. Foto: Playloud.org

    So rührend, so volksnah können Legenden sein. 1967 haben sich The Monks aufgelöst, 40 Jahre später spielen sie in Frankfurt am Main. Nicht weit davon liegt Gelnhausen, wo Dave Day, Eddie Shaw, Gary Burger, Larry Clark und Roger Johnston Anfang der sechziger Jahre in der US-Army dienten und sich als Beat-Band The Torquays bei Auftritten ein paar Mark verdienten. Gerade ist in Programmkinos »The Transatlantic Feedback« angelaufen, ein herrliches Zeitdokument und Bandporträt von Dietmar Post und Lucia Palacios, der alles transportiert, was man über The Monks und ihre rigiden deutschen Manager Karl Remy und Walther Niemann wissen muss, ehe man sie live spielen sieht.

    Schnell wird klar, warum die wiedervereinten Mönche (ohne den verstorbenen Johnston und den zu Dollar-Millionen gekommenen Squaredancer Clark) sich so nahbar geben: Sie sind es ganz einfach. Die Musik der Monks war avantgardistisch und radikal wie die von Velvet Underground, doch diese alten Männer im Frankfurter Mousonturm begreifen wohl nicht vollständig, warum sie nach 40 Jahren, nach einem Leben im all American Alltag gebeten werden, die alten Nummern zu spielen – und die Nachgeborenen dazu tanzen.


VIDEO: The Monks – The Transatlantic Feedback
    Weil sie also unverdorben wirken vom Musikbusiness und so begeistert in die Saiten und Tasten hauen, verzeiht man ihnen die paar Posen, die unangenehm an uninspirierte Combos wie Status Quo erinnern: den parallelen Wiegeschritt mit Gitarre, das Solo-Spielen Rücken an Rücken. Anfangs hört man verwundert zu: Das sind The Monks, die in die Rock-Musik Minimalismus und repetitives Moment einführten? Die, wie es in der Doku hieß, selbst Techno vorweggenommen hätten? Das allererste Stück ist natürlich »Monk Time« mit den berühmten Zeilen »Why do you kill all those kids in Vietnam? Bad Mad Vietcong« und »James Bond, who is he?«. Es klingt etwas blutleer und so zahm wie die folgenden Nummern.

    Man muss es historisch hören, denkt man noch, und wie das gehen soll, wo über eine Liedlänge stumpf angeschlagene gleiche Akkorde seit Jahren zur Grundausstattung mehr oder minder populärer Rockmusik gehören. So kaut man an der aufkommenden Enttäuschung, als Gary Burger seine Gitarre an den Verstärker presst und die ersten Feedback-Schleifen durch den Saal schickt. Da kann ein Sonic-Youth-Kid nicht anders als hinhören, und tatsächlich werden jetzt die Akkorde schmissiger, das Banjo schärfer, das Orgelstakkato sägender und das Schlagzeug – nun, am Schlagzeug sitzt Len Curiel, ein junger Mann mit Beatfrisur, und klopft so akkurat und treibend, dass es eine Freude ist. Lange vor dem Al Gore gewidmeten furiosen Finale ist er der heimliche Star des Abends. Gary Burger schreit wiederholt »Do you believe in climate change?« ins Mikro und hält seine Gitarre zwischendrin dem Drummer vor die Nase, damit der auf die Saiten klöppelt.

    Die Band hat bis dahin Soundscapes unter rot-grün-gelbem Licht entworfen, die nicht mehr avantgardistisch klingen, aber auch nicht alt. Im Wechsel von Laut und Leise, im behutsamen Schichten der Sounds und in der kontrolliert entfesselten Energie verzerrter Gitarren hört man mit: Motorpsycho, Mogwai und, tatsächlich, das euphorisierende Steigerungsprinzip von Wild Pitch Techno. Man hört aber The Monks, die, ob instinktiv oder wegen der strengen Schulung durch die deutschen Designer vor 40 Jahren, ein ideal aufgebautes Konzert spielen.
    Am Ende tätschelt Gary Burger dem Drummer das Haar. The Monks mögen die Anti-Beatles gewesen sein, sie hantieren aber auch mit Anti-Hipster-Gesten.

Die Dokumentation »The Transatlantic Feedback« von Dietmar Post und Lucia Palacios ist derzeit im Kino zu sehen. Alle Spielstätten finden sich hier.