The Lafayette Afro Rock Band

Reissues und Best Ofs sind immer so eine Sache. Der Vinylnerd mit seinem Originalfetisch verabscheut sie zutiefst, normale und entspannte Zeitgenossen nutzen diese Form der Heranführung an Künstler und Musik hingegen gerne. Die Compilation »Darkest Light: The Best of The Lafayette Afro Rock Band« erschien auf dem Label Strut Records bereits 1999 als Doppelvinyl, Anfang 2009 wird es sie jetzt noch mal auf CD geben. Wer jetzt dem Label voreilig schnöde Zweitverwertung unterstellen will, liegt falsch. Denn das vorliegende Material wurde um zwei vormals auf CD noch nie veröffentlichte Stücke ergänzt und ein zwölfseitiges Booklet mit den originalen Linernotes und raren Fotos gibt es noch obendrauf.

    Wer oder was aber ist die Lafayette Afro Rock Band und warum ist sie so wichtig? Begonnen hat alles unter dem Namen Bobby Boyd Congress im Jahre 1970. Um der überfüllten Funkszene in Amerika zu entliehen, entschloss sich das Konglomerat nach Frankreich zu gehen. Boyd kehrte nur ein Jahr später wieder in die Staaten zurück, die restlichen Musiker nannten sich nun Ice und spielten regelmäßig im Barbès district, einem nordafrikanisch geprägten Stadtteil von Paris. Hier entdeckte sie der Produzent Pierre »Berjot« Jaubert.

    Gerade die Umgebung in Paris und das Erscheinen von Manu Dibangos »Soul Makossa« sollte die Ausrichtung und Identität der Band entscheidend verändern. Unter dem neuen Namen Lafayette Afro Rock Band nahmen sie unter Leitung von Jaubert zwei Platten auf, »Malik« und »Soul Makossa«. Beide sind fast vollständig auf dieser CD zu hören und gelten mittlerweile als mindestens unterbewertete Klassiker des Funkgenre. Neben diesen Alben gab es auch zwei Stücke, die sie speziell für den japanischen Markt unter den Namen Crispy & Co. sowie Captain Dax einspielten (ebenfalls auf der CD). In den frühen achtziger Jahren, im Zuge der zunehmenden Verdrängung von klassischen Funkinhalten durch Disco, löste sich die Band langsam auf.

    Wichtig ist die Lafayette Afro Rock Band und das hier präsentierte musikalische Werk vor allem, weil sie eine Geschichte erzählen, die zwischen Afrikanismus, Breakbeats, Blockparties und Leben im französischen Exil angesiedelt ist. Das tribalistische »Congo« etwa war jahrelang einer der größten Hits, wenn Grandmaster Flash und Kool Herc in der Bronx die Parks rockten. Und natürlich halten Hiphop-Künstler wie Biz Markie, De La Soul, Public Enemy (die das epische Saxophon des Liedes »The Darkest Light« auf ihrem Album »It Takes a Nation…« unsterblich machten) und zahlreiche andere das Erbe dieser Band durch Samples am Leben.

    Am allerwichtigsten aber ist der Umstand, dass das auf dieser Compilation versammelte Material zeigt, wie hart und eindeutig ein Groove sein kann. Bläsersätze, hypnotische Drumbreaks, dicke Bassläufe: all das klingt so durchdringend und zwingend und macht die Lafayette Afro Rock Band zu weit mehr als einer Fußnote der Musikgeschichte. Essentielles Material!

LABEL: Strut / !K7 Records

VERTRIEB: Alive

VÖ: 23.01.2009

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