Videoreigen

Auge um Auge, Zahn um Zahn, oder doch eher »A Tooth For An Eye«? The Knife haben ihr neues Video mit den Regisseurinnen Roxy Farhat und Kakan Hermansson gedreht, dass die Ästhetik der Band zurück zum Sport führt, wo dereinst alles begann. Eine durchmischte männliche Freizeitgruppe folgt dabei in einer Turnhalle der Tanzanleitung einer adoleszenten Trainerin. Unter den Darstellern befinden sich dabei sowohl professionelle Tänzer als auch Laien, während das Video die Definitionsfragen von Führerschaft, Erfahrung und Selbstdarstellung neu stellt. Und es gibt einen Querbezug zum anderen, vorab von Shaking The Habitual geteilten Song »Full Of Fire«, denn Karin singt: »I’m telling you stories, trust me«.

Eine politische Debatte hat das Video von Regisseur Patrick Daughters zu Phoenix‚ »Entertainment« bereits ausgelöst. Der Vorwurf: eine klischeehafte, herablassende Darstellung koreanischer (Fernseh-) Kultur. Mehrere Stränge und Handlungsalternativen verknüpfend, werden hier eine Liebesgeschichte, der Traum vom Popstardasein und ein Familienzerwürfnis erzählt – in einer Szenenmischung aus Schmonzette, Historiendrama, Krimi und Politinszenierung, die zwischen Nord und Süd hin und her wechselt. Das kommt tatsächlich arg überspitzt und platt gespielt daher. Dass es aber ausgerechnet Korea getroffen hat, liegt eher an der eingängigen Synthie-Hook, deren geheime Klangverwandtschaft am Videobeginn aufgedeckt wird. Im deutschen Vorabend-TV sind solche Szenen in dieser Qualität jedenfalls zumindest ebenso zu sehen, wie in jeder anderen Telenovela dieser Welt.

Seabed, das Debütalbum der britischen Band Vondelpark, dürfte via R&S ab 5. April hohe Wellen schlagen. Das liegt nicht zuletzt an ihrem ersten Lebenszeichen »California Analog Dream«, das nach seiner Lo-Fi-Veröffentlichung vor drei Jahren nun nochmals neu aufgenommen wurde. Zur Unterstützung der Intensität und Intimität dieser Nummer hat Regisseur Rollo Jackson sein Performancevideo mit ein paar Eisenpulver- und Farbdetailspielereien vermengt.

Zugegeben, abseits von »Wishes« lässt das aktuelle Beach House-Album etwas zu wünschen übrig, aber nun gibt es zum besten Track auch ein Video, das ihm gerecht wird. Wer Regisseur Eric Wareheims Videos für HEALTH, Major Lazer & Co kennt, weiß, dass es jetzt absurd wird. Und Ray Wise (Twin Peaks) spielt folgerichtig den singenden Coach einer Akrobaten-Martial-Arts-Jojo-Truppe im Zeichen des Pferdes und silber-golden-minzgrün-rosanen Kostümen. Die Menge jubelt allerdings, als wäre es ein College-Footballspiel.

Ein Doppelvideo gibt es von Megaloh, dessen Album Endlich Unendlich heute erschienen ist. Für den ersten Teil, das Titelstück des Albums (Beste Zeile: »Manchmal zieht man auch mit einem Aussichtslos den Hauptgewinn«), ist man unterstützt von Adé Bantu nach Nigeria, der Heimat der Mutter des Rappers, gefahren, um vor Ort erneut mit dem Team von Hobrecht Animals zu drehen. Anschließend geht es für »Programmier Dich Neu« wieder nach Berlin.

Mary Ocher gibt es neuerdings auch als Band bzw. unter dem Namen Your Government gemeinsam mit Abraham Yussef Soto Zamora und Oliver Rivera Drew. Für das von King Khan produzierte das »Man vs. Air« lässt sich Ocher aber als über allem stehende Hohepriestern in Szene setzen.

Das in Berlin lebende schwedische Duo Iberia spinnt sein europäisches Verwirrspiel auf der neuen Single »Iberia« munter weiter. So hat Rasmus Svensson für das Video die ästhetisch gefühlt weit entfernt liegende niederländischen Hardcore-Techno-Szene porträtiert.

Zum Ausklang geht es noch einmal ans Meer: Simeon Cristallin hat ein angenehm ruhiges Video zu »Uncertain« des britischen Produzenten Soosh gedreht.

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