The Icelandic Music Laboratory

Who KnewSparen wir uns das einleitende Gerede über Island, auch Ortsfremde haben dank der medialen Omnipräsenz der Insel zwischen Tagesschau und Plattenkritik einen umfassenden Eindruck des ›Feels‹ Islands.

     Die Veranstaltungsreihe »101 Berlin« versucht nun zum zweiten Mal, den Berlinern den nordischen Inselstaat schmackhaft zu machen. Gelingen kann dies gewiss mit dem Booking des Veranstaltungsabends, präziser gesagt mit der Band Who Knew. Deren sechs Musiker haben sich dem breit instrumentierten Indiepop verschrieben und klingen – noch etwas präziser formuliert – wie die konsequent (gute) Fortsetzung des Clap Your Hands Say Yeah-Debüts – Letztere versemmelten die erfolgreiche Fortsetzung des Yelp-Pops mit ihrem zweiten Album »Some Loud Thunder« ja bekanntlich gründlich.

     Who Knew nun spielen äußerst zackige, stark Schlagzeug-, Keyboard- und Bass-betonte Songs, die so gar nicht (dem Klischee Islands entsprechend) säuselnd klingen, sondern vielmehr dynamisch und energisch sind. Manchmal gelingt ihnen die CYHSY-Pastiche ein wenig zu sehr – man fragt sich dann, wieso jene Band trotz allem Hypes so abstürzen konnte. Umso schöner, dass man hier mit Who Knew ein ähnliches, überzeugendes Produkt unter falschem Namen findet. Markenpiraterie, sozusagen.

     Gezeigt wird an jenem Abend außerdem der Dokumentarfilm »Ketill« von Regisseur und Schauspieler Tómas Lemarquis und dem Künstler Joseph Marzolla. Beide begleiteten den Isländer Ketill Larsen, einen 71-jährigen Dichter und Künstler, dessen Kunst in etwa nach dem klingt, was Gunnar Klack in seinem Reisebericht zum »Aldrei Fór Ég Suður«-Festival (Spex #314) beschrieb: Subversivität funktioniert in einem Land mit gut 300.000 Einwohnern wesentlich besser, als es bei uns heute möglich wäre. So ist im nördlich gelegenen Städtchen Ísafjörður der umstrittene Songwriter Megas und in der Hauptstadt eben Ketill Larsen die polarisierende Type, die von der bürgerlichen Mitte nicht verstanden wird. Larsen schreibt Gedichte, malt Bilder, nimmt in bester lars-Brinkmann-Manier Textfragmente auf Tonband oder spaziert als Weihnachtsmann verkleidet durch Reykjavík.

     Apropos »nicht verstehen«: wer Nachholbedarf in Sachen »Musik aus Island« hat, der kann im Rahmen des »101 Berlin«-Abends ab 24 Uhr Musik vom Band lauschen. Einmal quer durch die Klangpalette spielt der DJ dann die Ultrateuren und -raren Inselimporte.

VIDEO: Who Knew – Perfekt Painting (Live at Kastljósið)

VIDEO: Ketill (Trailer)

101 Berlin – The Icelandic Music Laboratory:
23.01. Berlin – Roter Salon
mit Who Knew, Filmvorführung »Ketill«

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.