„The Handmaid’s Tale – Season 2“ / Review

Still aus dem Trailer zur 2. Staffel von "The Handmaid's Tale"

Die Serienlandschaft ist voll von Visionen, wie schrecklich alles noch enden könnte mit unserem schönen Planeten. Aber eine kleine Serie über eine christlich-fundamentalistische Diktatur auf dem Boden der östlichen Vereinigten Staaten hat zumindest in diesem Jahr die Goldmedaille dieser nicht-offiziellen Olympiade der bedrückendsten aller Dystopien gewonnen: The Handmaid’s Tale, der erste Vorstoß des amerikanischen Streaming-Dienstleisters Hulu ins Gebiet des scripted content.

Schon die 2017 gestartete erste Staffel, die die Romanvorlage von Margaret Atwood nur unwesentlich ausschmückte, war bedrückend. Zumal im ersten Jahr der Präsidentschaft eines gewissen Herrn T. die Darstellung eines Regimes, in dem Frauen alle Rechte und Selbstständigkeit verlieren, in dem sie in Kasten von fruchtbar bis unfruchtbar eingeteilt und dementsprechend ausgenutzt und systematisch vergewaltigt werden, alles andere als beruhigend wirkte. Die zweite Staffel löst sich nun von der Vorlage und schmückt sowohl die Gegenwart der Repression als auch die Vergangenheit dessen, was dem zuvor kam, weiter aus. Das Ergebnis ist so enervierend und bedrückend, dass in den USA selbst erklärte Fans kaum weitergucken wollten.

Aber man weiß, dass der freie Wille nicht viel zählt, wenn sich die nächste Episode in fünf Sekunden selbst startet. Und so sehr man alle verstehen kann, denen die ausgemalten Zustände im erfundenen Staat Gilead so an die Nieren gehen, dass sie nicht weiterschauen möchten, bis endlich die Rebellion ausbricht – so sehr muss man bekräftigen, dass die zweite Staffel von The Handmaid’s Tale fast noch mehr fesselt als die erste.

man weiß, dass der freie Wille nicht viel zählt, wenn sich die nächste Episode in fünf Sekunden selbst startet.

Das liegt zum einen an Serena Joy. Die von Yvonne Strahovski gespielte Figur, die in der ersten Staffel als stutenbissige Commander-Gattin noch ein bittergesichtiges Schattendasein führte, darf im Laufe der zweiten Staffel nun die ganze Bandbreite weiblicher Karriere- und Persönlichkeits-Deformation ausspielen. In den immer spannender werdenden Rückblenden wird man als Zuschauer Zeuge, wie sich diese hochintelligente, selbstbewusste Frau ins Aus manövriert. Sie gehörte zum inneren Zirkel jener Verschwörer, die im „alten Amerika“ der Serie den Regime-Wechsel forderten und mit ruchlosen Terror-Praktiken schließlich auch umsetzten.

Als Autorin eines Buches mit dem signifikanten Titel A Woman’s Place propagierte sie genau jene Ideen – die in der neuen Herrschaftsordnung ihren eigenen Ausschluss aus den Regierungskreisen möglich machten. Ihre Frustrationen, ihre Eifersuchts- und tentativen Solidaritätsgefühle gegenüber der schwangeren Handmaid June (Elizabeth Moss) bildet die Serie in mäandernden story lines ab, die Serena zur faszinierendsten aller hier entwickelten Frauenfiguren machen. Nicht zuletzt, weil sich mit dieser Frau auf der „falschen Seite“ eine der dringlichsten der aktuellen Fragen an die Serie assoziiert: Was geht in den republikanischen Frauen vor, die Trump gewählt und sogar unterstützt haben?

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