»The Get Down« – Baz Luhrmanns Serie im Oton

Grandmaster und Schüler: Flash zeigt, was ein richtiger get down ist. (Foto: Netflix)

South Bronx, 1977. Ein paar Ghetto-Kids verändern mit nichts als geklauten Plattenspielern, Mikros und Sprühdosen die Welt. Die Hip-Hop-History gibt es jetzt auch im Binge-watching-Format: auf Netflix, von Baz Luhrmann.

The Get Down ist Baz Luhrmanns erste TV-Serie. Für seinen Heimkinoeinstand hat sich der australische Regisseur, bekannt für Kulissenschiebeorgien wie Moulin Rouge! und eine Literaturverfilmung in protziger 3-D-Optik von The Great Gatsby, einiges vorgenommen. Er erzählt die Geburtsstunde von Hip-Hop im von Kriminalität und Armut gebeutelten New York der späten Siebziger als ausladend ausgestattetes Musical zwischen Disco-Niedergang und Rap-Aufbruch. Netflix veröffentlicht die ersten sechs Episoden am 12. August, der Rest der ersten Staffel soll Anfang 2017 folgen. SPEX berichtet in Ausgabe N° 370 (ab sofort versandkostenfrei online zu bestellen) ausführlich über die Serie. Am Set in New York trafen wir die Schauspieler Shameik Moore (SM) und Yahya Abdul-Mateen II (YAM) sowie Kostümdesignerin Jeriana San Juan (JSJ). Hier erzählen sie, was The Get Down ihrer Meinung nach so besonders macht.

YAM: Es geht in der Serie um junge Menschen, die für sich selbst um ein besseres Leben kämpfen. Und damit die Welt verändern.

SM: Wir erzählen einen Teil der Geschichte, den so noch niemand gesehen hat. Man hat natürlich davon gehört, aber damals waren keine Kameras dabei, um das alles einzufangen.

JSJ: Es hieß damals noch nicht mal Hip-Hop. Es hatte keinen Namen.

YAM: Wenn man aus einer Welt ohne viele Ressourcen kommt wie die Figuren in dieser Geschichte, muss man wirklich kreativ sein. Und diese Kreativität trifft auf den glamourösen, gigantischen Stil von Baz Luhrmann. Es geht in The Get Down um Kids, die versuchen, aus dem Nichts etwas zu schaffen und aus dieser Situation heraus ihre ideale Welt zu kreieren – und Baz ist als Regisseur jemand, der sich ein Skript ansieht und fragt: »Wie kann ich das, was vor meinem geistigen Auge entsteht, Wirklichkeit werden lassen?« The Get Down ist wie eine Verschmelzung dieser zwei Arten von Kreativität.

JSJ: Baz ist ein derartiger Visionär, weil er so sehr am visuellen Effekt seiner Arbeit interessiert ist. Man muss sich nur ansehen, was er bisher gemacht hat: Alles ist so übersättigt mit Schönheit, Farbe, Energie und Details. Was vor allem daran liegt, dass Baz selbst so sehr an diesen Dingen interessiert ist. Wenn ich ihm eine Idee vorstelle, springt er meist darauf an und holt ausgehend davon immer noch viel mehr aus der Sache heraus.

SM: Ich war fasziniert davon, zu erfahren, wie die Kids damals ihre Kangol-Hüte trugen, wie sie selbst im heißesten Sommer Lederjacken und Lederhosen anhatten. Und dann stehe ich beim Dreh in diesen Lederhosen in der Hitze und wundere mich, wie die das geschafft haben. Die B-Boys haben in engen, total steifen Jeans gebreakt! Überhaupt der ganze Lifestyle: Die Leute rauchten damals Angel Dust. Wie bitte?! Angel Dust? Sowas würde ich nie tun. Aber alles, was damas passiert ist, hat zu dem geführt, was wir heute haben.

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Shameik Moore (Mitte) und seine Get Down Boys, eingekleidet von Jeriana San Juan (Foto: Netflix)

JSJ: Ich habe Grandmaster Flash getroffen und ihn am Anfang meiner Arbeit gebeten, mir alles über den Style damals zu erzählen. Er mochte Trainingsjacken, weil sie bequem waren und nach der damaligen Mode so eng geschnitten, dass die Ärmel beim Scratchen die Platten nicht berührten. Flash hatte auch immer diesen weißen Kangol-Hut auf, ein bisschen schief und hoch auf seinem Kopf sitzend. Er trug ihn wie eine Krone, weil er sich wie ein König fühlen wollte. »Du denkst, ich bin nichts wert? Dann ziehe ich mich an, als wäre ich wichtig, damit du mich auch so wahrnimmst!«

SM: The Get Down ist eine tolle Erfahrung. Sogar wenn ich nicht dabei wäre, wäre es eine großartige Show.

JSJ: Kurtis Blow erzählte mir von seiner Goldkette, auf die er sehr stolz war. Unterwegs in der U-Bahn oder auf der Straße trug er sie unter dem Shirt, aus Angst, dass sie geklaut würde. Aber wenn er auf eine Party kam, trug er sie wie einen Orden. Und die Ketten wurden mit der Zeit immer fetter und fetter. The birth of bling! All das ging damals los.

YAM: The Get Down ist wie nichts, was ich sonst im Fernsehen gesehen habe. Allein die Dimensionen! Der Trailer hat mich echt umgehauen. Ich konnte mir danach kaum vorstellen, eine ganze Staffel von dieser Intensitätsmaschine durchzustehen. Und das war großartig. Die Welt von Baz Luhrmann mit ihrem Glanz und ihrer Bildmacht in die Bronx des Jahres 1977 zu überführen – ich glaube, so etwas ist bisher ohne Beispiel. Ich bin sehr gespannt, zu sehen, was passieren wird.

SM: Mit all diesen Leuten zu arbeiten, hat mich stark beeinflusst und verändert. Und jetzt wird es auch die Welt verändern. Yes!

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Disco-Hustler Yahya Abdul-Mateen II (rechts) legt im Club Les Inferno zwei Sohlen aufs Parkett. (Foto: Netflix)

The Get Down
USA 2016
Regie: Baz Luhrmann
Mit Shameik Moore, Justice Smith, Herizen Guardiola, Yahya Abdul-Mateen II u. a.

Ein ausführlicher Artikel zu The Get Down erscheint wie viele weitere Musik- und Filmfeatures in der Printausgabe SPEX N° 370. Das Heft kann versandkostenfrei online bestellt werden.

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