The Field »The Follower« / Review & Vorabstream

The Follower bietet eine reinigende ästhetischen Erfahrung, die in den besten Momenten Ambient und Industrial zugleich anklingen lässt.

Der erste Song ist eine Zumutung. Der Beat pluckert stoisch und unnachgiebig vor sich hin und ruft nach der Tanzfläche. Noch bevor nach viereinhalb Minuten ein Moment der Klarheit folgt, könnten die ersten alteingesessenen The-Field-Hörer – man stelle sie sich als Kopfhörertypen vor, die gerne in nebelverhangenen Drone-Welten schwelgen – überfordert das Handtuch werfen. So viel Dancefloor-Tauglichkeit hätte man dem Schweden Axel Willner nicht zugetraut, war er doch selbst im eklektischen Kompakt-Universum immer ein bisschen weiter draußen. Wenn das Kölner Label Willners fünftes Album The Follower der Öffentlichkeit nun als tanzflurtauglich vorstellt, ist das dennoch höchstens die halbe Wahrheit.






Langsam schleicht sich nämlich wieder wohliges Unbehagen ins Gemüt des Hörenden. Spätestens bei »Monte Verità« möchte man allein mit der Musik sein und die mit großer Vorsicht übereinander gestapelten Stimmsamples bis zum bitteren Ende hören. Man lässt sich einnehmen von einer reinigenden ästhetischen Erfahrung, die in den besten Momenten Ambient und Industrial zugleich anklingen lässt. Irgendwann macht die Schönheit der sich bis an den Rand der Erschöpfung wiederholenden Klangfolgen einen förmlich körperlich fertig. Man fühlt sich, als wäre man im Maschinenraum eines Raumschiffes gefangen, in dem irgendetwas durchs Metallgebälk krabbelt.

Irgendwann macht die Schönheit einen förmlich körperlich fertig.

Es ist die entscheidende Qualität der Musik von The Field, dass sie einem Raum zum Träumen gibt, dass sie einen tatsächlich dazu bringt, abzutauchen, so abgeschmackt das klingen mag. Ein Schleier legt sich über die Wahrnehmung, die Klänge entfalten eine ähnliche Wirkung wie eine konzentrierte Meditation, vor dem geistigen Auge spielen sich die absurdesten Geschichten ab. Das im Vergleich zum Opener beinahe unerhört sanfte Abschlussstück »Reflecting Lights« schafft eine so schlüssige wie surreale Twin-Peaks-Atmosphäre. Zugleich verkörpert es aber auch die einzige Schwäche von The Follower: Alles klingt so wohlkomponiert, dass man in diesem Übermaß von elegischem Wohlklang auch einfach mal wegdämmern kann.

 

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