The Field „Infinite Moment“ / Review

Revolutionär muss nicht. The Fields neue Platte Infinite Moment ist weder offensive, noch challenging, gut so.

Techno ist ein Problem, weil er in eine unbekannte Zukunft vorpreschen will, dann aber doch nur auf der Stelle tanzt. Axel Willner hingegen hat kein Problem, weil er genau das verstanden hat: From Here We Go Sublime hieß das erste The-Field-Album zwar, spätestens mit Looping State Of Mind, seinem internationalen Durchbruchsalbum von 2011, suggerierte Willner hingegen schon im Titel, dass das alles eigentlich okay so sei. Dass es also weniger um Modernismus gehe als vielmehr um feine Modulation, um den geilen MDMA-Peak, in dem sich die Subjektivität durch die Clubtoilettentür verabschiedet. Zuletzt modulierte Willner jedoch zwei Alben lang ins Dunkle hinein, und das nicht nur mit den Coverfarben, die dem penetranten Eierschalen-Look der Vorgänger doppeltes Schwarz entgegensetzten. Cupid’s Head und The Follower klangen dringlicher und gehetzter, waren also gar nicht mehr zum wohligen Klangbaden gemacht, sondern vielmehr zum erschöpften Ausheulen.

klingt selbstverständlich nach Spotify- und Chill-Banalität für gestresste Seelchen

Infinite Moment hat nun eine fette Line kristalliner Egoblocker gezogen. Und überspitzt darauf zwar den paranoiden Unterton von The Follower auf dem Cover mit Signalrot ins Panische, findet musikalisch jedoch wieder in die selbstlose Idylle zurück. In sechs Klangblöcken wird wieder keine Geschichte erzählt, sondern das Programm von eh und je wiederholt: Der Schwede versucht, einen Moment einzufangen, ihn auf die Mindestdauer von 8:51 Minuten Ewigkeit zu dehnen und ansonsten einfach glücklich mit dem zu sein, was sonst so abgeht. Klappt natürlich auch, klingt selbstverständlich nach Spotify- und Chill-Banalität für gestresste Seelchen, die nach Feierabend bloß nicht mit Persönlichem konfrontiert werden wollen.

Darin ist Infinite Moment aber vor allem Techno in seiner letzten, reinen Konsequenz, zumal es seine ubiquitären Stimm-Samples völlig in den Raum verschmiert, sich als endorphiner group hug an die pluckernden Kicks klammert, als würden die nicht sowieso auf der Stelle tanzen. Revolutionär ist das alles natürlich nicht. Im Gegenteil: Infinite Moment ist vielleicht Willners egalstes Album – und damit vielleicht die ideale The-Field-Platte.

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