The Drink Company

Viel zu entdecken: Die Briten The Drink überraschen auf ihrem Abumdebüt Company mit einem Ideenreichtum, der Stoff  für das Dreifache der Songs geboten hätte.

Company kommt so taufrisch aus dem Studio, dass die MP3s, mit denen Journalisten versorgt werden, noch Notizen des Produzenten in der Dateibezeichnung tragen. »Analog« steht hinter jedem Songtitel. Vielen Dank, aber das hätte gar nicht extra dazugeschrieben werden müssen, die Aufnahmebedingungen dieses wunderbaren Albumdebüts der britischen Band The Drink sind deutlich zu hören: Warm und breit massieren einen die Bässe, das Rutschen der Finger über die Gitarrensaiten tanzt durch die Gehörgänge, das Schlagzeug klingt natürlich und unkomprimiert. Die so entstehende Dynamik geht eine Symbiose ein mit dem intensiven Fingerpicking von Sängerin und Gitarristin Dearbhla Minogue, um die sich das Trio in London formierte. Die Gruppe bringt die Qualitäten von Stereolab (man höre The Drinks Song »Microsleep«), Dinosaur Jr. (»At The Weekend«) und Warpaint (»Beasts Are Sleeping«) zusammen – auch die hierzulande leider völlig unbekannten Gun Outfit arbeiten mit einer ähnlichen Stoßrichtung –, und in höchsten Höhen zeigt Minogues Stimme einen Umfang, der an Leslie Feist erinnert (»Wicklow«).

Es gibt viel zu entdecken auf Company, selbst wenn man dem Album immer wieder folgt, überrascht seine Vielschichtigkeit jedes Mal aufs Neue. So hätten die Ideen, die in den zwölf Stücken verarbeitet werden, auch für das Dreifache an Songs ausgereicht, was das Debüt jedoch nicht überfrachtet. Diese musikalische Reife überrascht vor allem gemessen an der kurzen Zeit, seit der das Trio überhaupt erst zusammenspielt. In ihrer bisher sehr überschaubaren Bandhistorie verbuchen The Drink außerdem bereits eine Anekdote, die ihre musikalische Qualität markiert. Zum ersten Mal seit langer Zeit verkauften die legendären Rough-Trade-Stores in London die ersten Aufnahmen einer Band, die noch gar keinen Plattenvertrag hatte. Durch diese zwei selbst veröffentlichten EPs wurde Andy Moss vom Label Melodic auf The Drink aufmerksam. Dort erscheint nun also Company, ein Album, das zeigt, wie erfrischend fröhliche Gitarrenmusik heute noch sein kann, ohne ihren Referenzen zu erliegen. Darauf – Pardon, der musste sein – einen Drink!

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