The Courtneys „The Courtneys II“ / Review

Oller Retrokitsch oder doch nur einfach guter Gitarrenrock? The Courtneys verneigen sich mit II vor ihren Vorbildern und sorgen für ein fast vergessenes Gefühl: Entspannung. 

Kaugummi kauend den trashigen Job kündigen, mit feistem Augenzwinkern; dann faulenzen, dann ins Auto, der Sonne entgegen – die Courtneys liefern den Soundtrack dazu. Jen Twynn Payne, Sydney Koke und Courtney Loove aus Vancouver sind Popkultur-Nerds und nennen ihr zweites Album jetzt halt einfach mal trocken The Courtneys II, ähnlich wie Led Zeppelin, damals, oder heute der kanadische Gitarrenpop-Posterboy Mac Demarco. In dessen Band Makeout Videotape spielte Payne Schlagzeug, heute schreibt und singt sie die Texte der Courtneys.

Eine Liebeserklärung an vergangene popkulturelle Großtaten.

Das schöne „Silver Velvet“ macht den Aufschlag zu II und bringt auf den Punkt, was 2016 in der kanadischen Indie- und DIY-Szene eines der größeren Dinger war: eine Mischung aus Powerpop und dem, was Bands in Seattle Mitte der Neunziger aus ihren Instrumenten heraus prügelten. Ein wenig innovatives Nostalgie-Ding also? Das wäre zu einfach. Trotzdem erinnert II an das, was der kürzlich verstorbene Poptheoretiker Mark Fisher – ruhe er in Frieden – ungefähr so sagte: „Nimm dir irgendein aktuelles Album, beame dich zwanzig Jahre zurück, es wird sich kaum von den anderen Sachen unterscheiden.“

Das ist bei den Courtneys nicht anders. Allerdings funktioniert die Nostalgie bei ihnen als ehrliche Verneigung, als Liebeserklärung an vergangene popkulturelle Großtaten. Auf ihrem Debüt fanden sich noch Songs wie „90210“ oder „K. C. Reeves“ (aka „Neo“ aus Die Matrix). Auf II sind die Anspielungen etwas weniger offensichtlich, fast schon subtil. Der Song „Lost Boys“ bezieht sich auf einen gleichnamigen Film von 1987, in dem Kiefer Sutherland einen Vampir spielt. Dem „Geisterforscher“ Fisher hätte das womöglich ein Lächeln abgerungen, gehörten ihm solche Untoten doch zu den Wiedergängern in einer blutleeren Popkultur. Aber klar, die Courtneys sind jetzt, 2017, ohne wirklich in den Zeitgeist zu passen: sie klingen fröhlich, positiv, auch ein bisschen nachdenklich. II ist ein Album, das sich im besten Sinne einfach so weghört – wie eine dringend benötigte Welle der Entspannung.

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