The Big Sir

Der Chef ist tot. Hunter S. Thompson hat sich, so die NY Times, eine Kugel durch den Kopf gejagt. Laut Tricia Louthis vom Pitkin County Sheriff’s Office starb er gestern nachmittag an einer selbst beigebrachten Schusswunde in seinem Haus in Woody Creek/Colorado. Glaubt man der NY Times, war Thompson …
Der Chef ist tot. Hunter S. Thompson hat sich, so die NY Times, eine Kugel durch den Kopf gejagt. Laut Tricia Louthis vom Pitkin County Sheriff’s Office starb er gestern nachmittag an einer selbst beigebrachten Schusswunde in seinem Haus in Woody Creek/Colorado. Glaubt man der NY Times, war Thompson 65 Jahre alt, andere Quellen, wie der gewöhnlich gut unterrichtete Thomas Huetlin vom Spiegel und USA Today machten ihn zwei Jahre älter. Geboren wurde der Sohn eines Versicherungsagenten am 18. Juli 1937 in Lousville/Kentucky. In dem Bundesstaat, in dem seine Karriere an der Schnittstelle von Journalismus und Schriftstellerei einige Jahrzehnte später erst richtig losgehen sollte und die alles andere als spurlos an einer Mehrzahl der einst und immer noch bei unserem bescheidenen Magazin Beschäftigten vorbeiging.
Nach einer kurzen Stippvisite beim Militär, wo er als Sportreporter für den "Command Courier" schrieb, zog Hunter Stockton Thompson Ende der 50er nach Südamerika und verdiente sich seinen Unterhalt als kleiner Reporter bei unterschiedlichen Tageszeitungen und Magazinen, bevor er 1964 nach San Francisco zog und mitten in der counter culture der 60er Jahre landete, Acid, Tom Wolfe, Hell’s Angels, Ginsberg, Bewusstseinserweiterung inklusive.
Der Mythos will es, dass sein Auftrag, für Scanlan’s Magazine über das Kentucky Derby zu berichten, der Geburt des New Journalism bzw. Gonzo Journalism sein sollte. Thompson, der sich – nach eigenen Erzählungen – in der Hitze des Derby mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln das Gehirn rausgeblasen hatte (no pun intended), war nicht imstande, einen ordentlichen Artikel abzuliefern. Also riss er die Seiten mit seinen Aufzeichnungen, die sich weniger um das Derby an sich, als um die teilnehmende dekadente Südstaaten-Brut drehten, an den zuständigen Redakteur – und erwartete seinen Rausschmiss. Stattdessen wurde die Story gedruckt, alle drehten durch und das Telefon hörte nicht auf zu klingeln. Ein Star und Gonzo was born. Unzählige Artikel für den Rolling Stone, unterschiedlichste Tages- und Wochenzeitungen, Illustrierte und weit über ein Dutzende Bücher, das bekannteste wohl "Fear and Loathing in Las Vegas", verfilmt mit Johnny Depp, folgten. Thompsons liebste Themen waren Sport und Politik, sein geliebter Feind Ex-Präsident Nixon, den zu beleidigen, zurechtzustutzen und zu demontieren so etwas wie die heimliche Lebensaufgabe des Chefs war. Zuletzt bekam, was zu erwarten war, der junge Bush sein Fett weg, den er den "Kinderpräsidenten" nannte. Alle Hoffnung setzte Thompson bei der letzten US-Wahl auf John Kerry, wir wissen, was daraus geworden ist. Es wäre schön gewesen, hätte Hunter S. Thompson noch ein paar Jahre durchgehalten, um das unbedingt nötige schreibende, polemisierende und unvorsichtige Gegengewicht zur Bush Administration zu geben. Weil: When the going get’s weird, the weird turn pro. Und das gute weird ist leider viel zu selten geworden, dieser Tage…

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