Das – oder vielmehr mein – Problem ist, dass das Retro-Musik-Dingens als Gesamtphänomen mittlerweile zu verdammen ist, argumentativ niedergerungen gehört und als retardiertes Gift wirkt, das die Jugend von anständiger, nach vorne schauender, kreativer Musikarbeit abhält, ich aber im Einzelfall nicht umhin kann, das Zeug supertoll zu finden. Hier wäre also wieder so ein Einzelfall (Bees), der sich im Einzelfall (Songs) wieder so detailliert, wissend und unterhaltsam der Disziplin des Originalnachbaus widmet und mit Leben zu füllen versteht, dass meine gesammelte Skepsis dem kaum etwas entgegenzusetzen vermag.
Auf ihrem zweiten Album »Free The Bees« gelingt das Spiel mit den Zeitreferenzen besonders dann am besten, wenn sich die Band auf Musik-Historiken bezieht, die ohnehin schon ganz selbstverständlich als zeitlos gut und trendbeständig abgesichert sind, und sich damit geschickt der Retro-Vorwurf umgehen lässt − nämlich alter Rare Groove Funk härterer Gangart und Sixties Soul. Dann entwickeln die Bees eine mitreißende Energie, die sogar einmal (auf »The Russian«) den anderen Musikarm zeitloser Unantastbarkeit streift, nämlich Studio-One-Reggae, der bisweilen auf alten Jackie Mittoo-Aufnahmen ähnlich funky klingt. Wenn sie sich zu sehr auf die gängigen White Boy Sixties-Beat-Modelle beziehen, lässt der Spaß trotz weiterhin aufrecht gehaltenem Energielevel manchmal ein wenig nach. Nicht-Anspieltipp in diesem Zusammenhang: die ersten drei Songs. Egal, ansonsten kriegen sie mich. Für »Free The Bees« haben sich die auf der Isle Of Wight beheimateten Paul Butler und Aaron Fletcher zu einem Sextett verstärkt und sind im Sommer auch auf einigen Festivals zu hören. Lohnt sich bestimmt.

LABEL: Labels

VERTRIEB: EMI

VÖ: 28.06.2004