The Bees im Porträt

The Bees leben auf einer Insel. In echt, die Isle Of Wight liegt in der Form eines Diamanten gegenüber Southhampton. Ihr gerade erschienenes »Octopus«, ein wie nur was beseeltes Werk aus Pop, macht klar: The Bees klingen retro, doch eine Retroband sind sie nicht. The Bees sind die Insel. Am Anfang war die Lounge: Als Paul Butler und Aaron Fletcher vor fünf Jahren ihr »Sunshine Hit Me« um die Welt schickten, hätte man in ihnen auch die neuen Steely Dan erblicken können. Überaus gepflegter, mit Bläsern durchsetzter Seventies-Pop für Barhocker war das, und dazwischen verbeugten sie sich mal kurz vor Lee Perry, und selbst das klang oh so hmm! Die Reaktion auf die Platte in Großbritannien war der Hype. NME-Hysterie, Mercury Prize-Nominierungen, Reading, Glastonbury, all das stürmte auf die Bees ein. Zu »Sunshine Hit Me«-Zeiten waren sie ja noch zu zweit, und es wurde ihnen alles ein bisschen zuviel. Heute sagt Aaron Fletcher: »The Bees könnten noch größer sein, klar. Doch wir tun alles, um diesem Homestory-Wahn der Boulevard-Presse zu entgehen. Uns geht es nicht um den Glamour. Und wir haben ja selbst erlebt, wie anstrengend es ist, berühmt zu sein.« Es folgt noch das »Nur um die Musik«-Statement, doch wem möchte man diese Schülerband-Weisheit mehr verzeihen als Butler und Fletcher. Bleichgesichtig und unrasiert sehen sie auf ihren Pressefotos aus, sie tragen Regenjacken und Strickmützen. Der ganz normale Lad-Sport, doch ihr Sound trägt das ja: Ihre Show besteht aus musikalischen Sensationen.

    Als The Bees erst drei Jahre nach »Sunshine Hit Me« mit »Free The Bees« auftauchten, hatten sie einfach eine Rockplatte eingespielt. Wie wichtig sie ihrer Plattenfirma sind, das zeigte die Studio-Wahl: Alte Röhrenverstärker klingen nirgendwo besser als in der Abbey Road, eine mondäne Welt von Studio und nicht gerade billig. Mit »Free The Bees« wurde auch die Band-Werdung offiziell, denn seitdem spielen sie in fester Formation zu fünft. Nun ist ihr neues Album »Octopus« da. The Bees haben sich mit den Abbey Roads im Sinn ihr eigenes Studio gebaut und es »The Steamroom« genannt, weil es mit Kiefer ausgeschlagen ist wie anderer Leute Sauna. Fletchers Stimme kriegt Augenleuchten, wenn er von den Aufnahmen im vergangenen Sommer erzählt: »Es waren schöne Monate auf der Lovely Isle Of Wight. Wir hatten Freunde und Familien um uns, aßen zusammen, und im Studio entstand diese genau richtige Energie aus dem richtigen Zusammenspielen mit dem richtigen Equipment am richtigen Ort.« Wie gesagt, Glamour geht anders, doch auch noch in den Folk-Momenten auf »Octopus« geht immer ein Vibe des funky Jams mit um. Klar klingt »Who Cares What The Question Is« nach »Octopus's Garden«. Klar könnte man einfach jedem der Songs diese Über-Referenzen zuschießen. Doch bei den Bees tappt man in die Falle. Die Summe aller Musikvergangenheiten wird bei den Bees Gegenwart, weil die Gruppe ihre Bezüge entweder überhaupt nicht oder überdeutlich ausstellen. Und natürlich auch dadurch, dass sie sich in Mode und Performance auch kein bisschen für spitze Stiefel oder sharpe Anzüge interessieren. Dass sie außerhalb Großbritanniens dennoch ziemlich untergehen und zuhause gefeiert werden, das liegt natürlich trotzdem an den für Dad Rock und den »Record Collector« geöffneten Ausgängen der Bees. Ich gönne ihnen das. Sie müssen leben. Ich liebe sie.

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