The Beat Goes On – John Peel & ein Todeskalendarium

KalendariumHeute vor drei Jahren starb John Peel an einem Herzinfarkt. Er wurde 68 Jahre alt und hinterließ eine Lücke in der Musiklandschaft, wie sie größer nicht hätte sein können. Eine posthume Legende wurde er nicht, legendär waren seine Radiosendungen und er selbst schon vor vielen Jahren. Vergessen sollte man Peel daher nie, ebenso wie die vielen anderen großen und größtenteils zu früh gestorbenen Musiker dieser Welt. Es mag zynisch erscheinen, nun den Schwenk zur Produktinformation zu wagen, aber »The Beat Goes On – Kalendarium toter Musiker« setzt genau dort an, wo man selbst täglich scheitert: bei der Erinnerung.
»Nachdem wir zum dritten Mal in Folge den Todestag des King vergessen hatten, reichte es meinem Freund Milan. Er bastelte den ersten Kalender-Prototypen mit schätzungsweise vierzig Namen und schenkte ihn mir zum Geburtstag«, schreibt The Beat Goes On-Autor Stefan Hauser im Editorial des kleinen schwarzen Büchleins. Darin versammelt sind in 52 Kalenderwochen 751 Musiker oder relevante Personen aus der Musikwirtschaft – wie eben auch John Peel. Oder Nina Simone. Thelonious Sphere Monk, 1982 an einem Hirnschlag gestorben. Bing Crosby, 1977 an Herzversagen gestorben. Syd Barrett, 2006 verstorben nach langer Diabetes. Neben den Todestagen und -ursachen der einzelnen Personen räumt das Kalendarium für das Jahr 2008 Raum für eigene Notizen und Erinnerungen ein. Außerdem gelingt es der Redaktion, in der doch etwas heikel geratenen Rubrik »Tod der Woche« mittels meist sachlicher Informationen und gleichzeitig unterhaltsamen Argumentationsketten den wichtigsten, nicht aber den berühmtesten Toten die Ehre zu erweisen. Interessant sind auch die statistischen Zusammenfassungen gegen Ende des Kalenders: Krebs und Herzbedingtes, Straßenverkehr und Mord, Heroin und Alkohol führten zu den meisten Toden. Mehr als eine Seite hätte es dafür ruhig sein können.

Was man schnell merkt: hier wird nicht auf Kosten der Toten Geld gescheffelt, hier wurde in Gedenken an viele Herzensangelegenheiten publiziert. Bitte für 2009 nachtragen: Robert Anton Wilson, Andrew Hill, Paul Rutherford, Tony Wilson, Max Roach, Masahiko Togashi, Hilly Kristal, St. Thomas, Joe Zawinul, Walter Kempowski und Paul Raven.

»The Beat Goes On – Kalendarium toter Musiker 2008«
von Stefan Hauser, Milan Tillich, Oliver Höckner, Andreas Hennig, Phil Freeborn
erschienen bei Edition Observatör Berlin /// 256 Seiten // ISBN 978-3-00-022571-0

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