The Avalanches »Wildflower« / Review

Nach zehn Jahren da: das zweite  Album. Und es erinnert immer wieder an andere Alben, die längst zehn oder mehr Jahre auf dem Buckel haben.

Mit lange erwarteten Alben ist es so eine Sache. Je mehr Jahre ins Land ziehen, desto größer wird der Erwartungsdruck. The Avalanches sind ein Paradebeispiel. Aus dem Nichts veröffentlichten die Melbourner im Jahr 2000 mit Since I Left You einen instant classic. Mit seinen angeblich mehr als 3500 Samples wurde das Album zu einem Standardwerk der Plunderphonics, dem Komponieren auf Basis bereits existierender Aufnahmen. Auch abseits des technischen Genies war die Platte ein Meisterwerk: Sie sprühte vor Ideen und Wahnwitz und gleichzeitig vor sommerlicher Leichtigkeit. Ständig kam neuer Input durch verrückte Sample-Stückchen hinzu. Man ritt beim Hören auf einer nie enden wollenden Euphoriewelle. Wenige Alben können den Schalter so leicht auf gute Laune umlegen wie Since I Left You.

Retrogefühl umweht Wildflower.

Und nun tun The Avalanches, was sie in den letzten zehn Jahren immer wieder angekündigt hatten: Sie veröffentlichen mit Wildflower ihr zweites Album. Was kann man davon erwarten? Woran soll man diese Platte messen? Beim Hören stellt sich schnell ein seltsames Gefühl ein. Immer wieder erinnert einen Wildflower an andere Alben, die längst zehn oder mehr Jahre auf dem Buckel haben und selbst unter dem Eindruck von Since I Left You entstanden sind: Madvillainy von Madvillain, Donuts von J Dilla, Out My Window von Koushik. Das liegt nicht zuletzt an Features von MF Doom und dem Detroiter Dilla-Verehrer Danny Brown, die mit der Single »Frankie Sinatra« zum HipHop-lastigen Einstieg in die Platte beitragen. Später kommen Gäste aus anderen Genres hinzu, Jennifer Herrema von Royal Trux, Waren Ellis, Father John Misty und Silver-Jews-Kopf David Berman. Auch sie forcieren das Retrogefühl, das Wildflower umweht.

So bleibt der Vergleich mit dem Vorgänger unvermeidlich. Haben The Avalanches es wieder geschafft, einen richtungsweisenden Sampleklassiker aufzunehmen? Nein, dafür haben von ihnen beeinflusste Künstler wie The Go! Team und Girl Talk den hyperaktiven Hyperlink-Pop zu gut gepflegt in den letzten 15 Jahren. Aber haben sie es geschafft, eine weitere catchy Sommerplatte zu produzieren? Natürlich. Wer hätte schon etwas anderes erwartet?

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