The Arcs »Yours, Dreamily« / Review

Im Westen nichts Neues.

Dan Auerbachs Werk folgt rückblickend einer geografischen Entwicklung. Wie einst Lewis und Clark arbeitete sich der in Ohio geborene Sohn eines Antiquitätenhändlers Schritt für Schritt, Album für Album nach Westen vor. Die ersten Stationen machten dabei dem Beruf seines Vaters alle Ehre: The Big Come Up, das Debüt der Black Keys, verkaufte beispielsweise 80 Jahre alte Requisiten des Mississippi-Blues mit neuem Anstrich. Doch schnell verließ Auerbach das Erbe des Flussdeltas, um sich über einen Abstecher an der Nashville-Ausgeburt des Blues musikalisch gen Kalifornien aufzumachen.

Spätestens mit dem letzten Black-Keys-Album Turn Blue kam Auerbach an der Pazifikküste an. Wobei »ankommen« das falsche Wort ist. Seltsam entrückt wirkten die lässigen Westcoat-Grooves, die seidigen Basslinien schienen den von Depression, Trennung und Schmerz erzählenden Texten nicht den richtigen Anzug zu bieten. Wie ein heimatloser Neuankömmling wirkte Auerbach stellenweise auf Turn Blue, wie einer, der die palmengesäumten Boulevards entlangfährt, sein Herz aber noch an alter Wirkungsstätte hat.

Nun stellt Auerbach The Arcs vor. Und wer von der neuen Band neuen Schub erwartet, wird schon mit den ersten Tönen enttäuscht – im Westen nichts Neues. Er wolle mit The Arcs einfach das spielen, was er an Musik mag, sagte Auerbach kürzlich. Und genau so klingt das Album: Yours, Dreamily ist ein buntes Sammelsurium aus Auerbachs gut 15 aktiven Jahren als Musiker und damit der logischste Nachfolger zu Turn Blue, den er hätte liefern können. Der Blues der frühen Jahre wird weiterhin vom sanften Bass seines Stiefbruders R’n’B ersetzt, sprich: Yours, Dreamily klingt eher nach den Fleetwood Mac der späten Siebziger, denn nach dem Muddy Waters auf Electric Mud.

Das ist gut gemacht, wurde aber auch schon hundertmal genauso gut gemacht. Allerdings wollte Auerbachs Musik nie ein Innovationsmotor sein. Yours, Dreamily funktioniert dann auch auf einer anderen, persönlicheren Ebene: Der spezifische Westküsten-Sound, der vor drei Jahrzehnten den obersten geschlossenen Knopf an Männerhemden sukzessive hat gen Bauchnabel wandern lassen, mag auf uns Nachgeborene zwar etwas käsig wirken, doch war er stets das Vehikel einer Gefühlswelt, die sich womöglich nicht anders verpacken lässt: der Altherrenmelancholie des Rückblicks auf schwerere, wildere Zeiten, als man sich noch Gedanken machte und Ängsten beugte. Auf Yours, Dreamily nimmt Auerbach nun die Rolle dieses gereiften Playboys ein, der wohlwollend die Irrungen und Wirrungen der vergangenen Jahre betrachtet. Und siehe da: Der klangliche Anzug sitzt diesmal. Auerbach ist angekommen. Und steht damit am Scheidepunkt seiner Karriere: Denn am Pazifik ist der Westen bekanntlich zu Ende.

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