Review: Ter Haar ∆

Und plötzlich sind sie alle miteinander da: Shellac, At The Drive-In, Trans Am. Doch wer hier spielt, ist eine junge Band aus Berlin-Karlshorst. Sie nennt sich Ter Haar, nach einem Weltraumpiloten in einem Roman von Stanislaw Lem. Ter Haar klingt niederländisch – und soll im Niederländischen, wenn man einem Eintrag auf der MySpace-Seite der Band glauben darf, so viel wie »vom Hof am Ende des langen Deichs« heißen.

    Nun ist die Musik auf »« (»Delta«) ungleich urbaner, als es die Referenzen des Bandnamens nahe legen. Ter Haar koppeln das Vermächtnis der Post-Rock-Bands der neunziger Jahre mit der Nervosität und den Rhythmuswechseln der etwa gleichaltrigen Foals. »∆« ist das erste richtige Album der drei Anfang-zwanzigjährigen, nachdem sie im vergangenen Jahr mit einer EP im handlichen 10"-Vinylformat debütierten, die neun Stücke sind überwiegend instrumental gehalten. Zwar wird in vieren davon gesungen – bei »Climb Like a Zeal« leiht Thom Kastning von Kate Mosh seine Stimme her (außerdem produzierte er das Album auch), bei »Ping Pong« hört man Fabian Fenk von Bodi Bill. Der Gesang spielt auf »∆« (»Delta«) aber eine untergeordnete Rolle. Seine erratische Verwendung gibt dem Album ein zusätzliches Überraschungsmoment, wenn etwa nach dem eröffnenden »Pjotr« dem holpernden Beginn von »A Fryhole« Philipp Koller wie aus dem Nichts nach den Plänen für die unmittelbare Zukunft fragt.

    Na, erst mal werden wir das Album weiterhören. Mit »Mambocore« folgt ein Stück, das in weniger als fünf Minuten beschreibt, was Ter Haar in einem Interview so beschrieben haben: »Instrumental zu sein, war für uns eine Herausforderung. Es macht vieles einfacher und lässt die Musik für sich sprechen.« Philipp Koller an der Gitarre, Hannes Kaschell am Schlagzeug und Jonathan Saal am Bass spielen sich in bester Post-Rock-Manier in »Mambocore« über Stock und Stein, nehmen an Fahrt auf und gleich wieder Geschwindgkeit heraus, ändern die Rhythmik, lassen einem verspielten Picking ein lautes Riff folgen. Es gehe ihnen um »die Übertragung von Energie«, lassen Ter Haar wissen. Mehr noch, dieser Eindruck drängt sich beim Hören von »∆« auf, muss es ihnen um Exaktheit gehen. Die Exaktheit im Zusammenspiel einer hin und wieder durch den Einsatz eines Microkorgs aufgemotzten Ur-Rockband-Besetzung, die Exaktheit im musikalischen Ausdruck. Jeder Ton, jeder Laut wird eindeutig und klar übermittelt. Da hallt kaum was nach, was diese Musik nicht nur präzise im Ausdruck, sondern auch im Augenblick macht. »Words, they don’t mind / just make them up for the sake of the rhyme«, heißt es zum Abschluss des Albums in »Ping Pong«. Eine Stimme, Gesang kann womöglich gar nicht so präzise sein, wie Ter Haar es sich für ihre Musik wünschen.

LABEL: Sinnbus Rec.

VERTRIEB: Alive

VÖ: 12.12.2008

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