Review: Telepathe Dance Mother

Neues aus Brooklyn: Telepathe, eine weitere Band aus dem Dunstkreis von TV On The Radio und jüngstes Mitglied im Club der retroinspirierten Fortschrittsgläubigen. Dave Sitek übernahm die Produktion und Gastvokalisten wie Kyp Malone oder Shannon Funchess von !!! (Chk Chk Chk) taten das Übrige, um gute Bedingungen für einen nachhaltigen Eindruck zu schaffen.

    Nun könnte man annehmen, Telepathe schlagen mit ihrem Debütalbum »Dance Mother« musikalisch in exakt dieselbe Kerbe wie ihre Peergroup. Das stimmt aber nur bedingt. Denn obwohl sich Melissa Livaudais und Busy Gangnes in Siteks wunderbarer Welt der Old-School-Synthesizer austoben durften und sicher auch des Öfteren dem Ratschlag von »Pop’s Greatest Innovator« (NME) Folge leisteten, breiten sie ihre Ideen nicht auf Soundzitaten aus drei Jahrzehnten aus, sondern konzentrieren sich fast ausschließlich auf cleane Beat-Frickeleien, ruhig fließende Ambientflächen und die dumpfe Melancholie des Dubstep-Kosmos. Auf dieser Basis entfalten sie mit Bedacht glitzernde Gesangsmelodien, die jedem Stück Kern und Struktur geben. Sie holen den Hörer gewissermaßen dort ab, wo er zuletzt von kauzigen Folk-Chanteusen wie CocoRosie stehen gelassen wurde, und führen ihn dann an einen Ort, wo derselbe trübe Popmoment nicht mit Spielzeuggeräuschen sondern mit Hightech-Spielzeug generiert wird.

    Somit ist Telepathe mit »Dance Mother« ein recht eigenwilliges Debüt gelungen, dessen Qualitäten sich vor allem dann zeigen, wenn man es laut hört. Warum? Weil sich erst dann die nebligen Synthieschwaden und atmenden Subbässe zu dem intendierten Gerüst verdichten, das den dünnen, luftigen Mädchenstimmen der Protagonistinnen etwas Kraftvolles entgegenzusetzen vermag und sie zugleich wie ein trockender Schwamm in sich aufsaugt. Bei Telepathes erstem Deutschland-Konzert, das Ende 2008 im Berliner Club West Germany stattfand, konnte man erleben, dass eine gerade noch so als erträglich empfundene Lautstärke die konsequente Abwesenheit von Groove ausmerzt, die das große Charakteristikum – um nicht zu sagen: Manko – von »Dance Mother« darstellt.

LABEL: V2 Records / Cooperative Music

VERTRIEB: Universal Music

VÖ: 30.01.2009

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