„Techno fördert Toleranz“ – Helena Hauff im Interview

Credit: Fabian Hammerl

Nichts Rebellisches an diesem Tag: Der Weg zum Büro, in dem das Interview mit Helena Hauff stattfinden soll, ist unscheinbar. Eine breite, ruhige Straße führt an einem kleinen Wasserlauf vorbei. Vielleicht ein Ausläufer der Spree, vielleicht auch nicht. Links Baustellen und eine Schule, im Vorbeigehen hämmern und brüllen. Wer das nicht hören will, setzt sich Kopfhörer auf und mit Scheuklappen in den ziemlich normalen Büroraum, in dem Helena Hauff auf einem Stuhl posiert, der so aus der gegenüberliegenden Schule stammen könnte. Alles ziemlich normal, bis auf den glitzernd bestickten Anzug, den Hauff trägt. Fast zu normal für Berlin. Die Rebellion des Gewöhnlichen.

„Eine große Rebellion ist es nicht“, sagt Helena Hauff gleich zu Beginn des Treffens über ihr neues Album Qualm. Überhaupt wirkt sie skeptisch bei Deutungsversuchen ihrer Musik, bei Versuchen, ein Konzept zu erzwingen. Eine Skepsis, die nuanciert und relativierend dafür sorgt, dass einheitsbreiigen PR-Text-Formulierungen ausgewichen wird, sie zur Not aufgeweicht, jedenfalls vom Thron der unangreifbaren Prämisse heruntergeholt werden. Sie findet es albern, „wenn Musik versucht, etwas ganz Großes, Schönes und Neues zu sein.“ Mit SPEX sprach Helena Hauff über Clubkultur, menschliche Synthesizer und das Ende des Paartanzes.

Helena Hauff, Ihr neues Album Qualm erscheint im August. Auf Englisch könnte man den Sound vielleicht treffend mit gritty umschreiben. Zu deutsch: Mutig, ungeschönt, düster, grobkörnig. Klingt ziemlich clunky.
Auch wenn ich das selbst so nie behaupten würde, gefällt mir der Ausdruck „mutig“ natürlich sehr gut. Genau so vorsichtig wäre ich dabei, das Album als rebellisch zu bezeichnen. Es ist ja schon angelehnt an klassischen Techno und Industrial-Geschichten. Der experimentelle Charakter, der den Techno vom Pop grundlegend trennt, ist eher Eigenschaft der Musikrichtung generell, als Eigenschaft meiner Musik im Speziellen. Eine große Rebellion ist es nicht.

„Ist ja im Endeffekt auch nur Techno.“

Keine Rebellion. Vielleicht eine relativierende, nuancierende Kraft?
Ich möchte der Musik nicht im Vorhinein etwas auferlegen, was sie dann gar nicht unbedingt und für jeden ist. Wenn Musik versucht, etwas ganz Großes, Schönes und Neues zu sein, finde ich das immer etwas albern. Ist ja im Endeffekt auch nur Techno. Musik ist eben, was sie ist. Ich mache das, worauf ich Bock habe und mir selbst nicht allzu viele Gedanken darüber, ob ich radikal und neu bin. Ich mache es einfach für mich selbst. Ich erwarte von niemandem, dass er meine Musik mag… Wenn es dann Leute gibt, die meine Musik mögen, ist das natürlich super. (lacht)

Findet sie darin ihre Berechtigung?
Genau. Darin findet sich dann Neues. Das Schaffen von Musik findet seine Berechtigung darin, dass Leute, die noch nie mit einem solchen Sound in Berührung gekommen sind, etwas Neues darin sehen – besonders junge Leute. Ohne wirklich revolutionär zu sein, klingt Musik dann in der Wahrnehmung einzelner Menschen total neu, was sehr cool ist.

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