Tanukichan „Sundays“ / Review

Cover: Sundays

Sundays, Sonntage. Da stellt sich doch direkt eine Frage: Worauf starrt Tanukichans Hannah von Loon, wenn sie um 13 Uhr morgens im Bett liegt – ohne Schuhe?

Der Sonntagmorgen. Ewiges Mysterium für einige, die ihn seit Jahren verpassen, ewig erscheinendes Martyrium für alle, die von zu heller Sonne und zu dickem Kopf geweckt werden – zu früh natürlich auch. Hannah von Loon macht als Tanukichan Musik, die auf den ersten Blick kaum schlechter zum Namen ihres Debütalbums passen könnte. Wer möchte schließlich das Dröhnen in seinem Kopf mit noch lauterem übertönen?

Auf Sundays treffen brütende Gitarren auf den unangestrengten Gesang von Loons, der sich, dem Shoegaze typisch, wie gehauchter Bewusstseinsstrom anhört. Mehrere Ebenen der gerade hörbaren Monotonie ihrer Stimme breiten sich im Hall und einer Soundlandschaft aus, die glücklicherweise nicht wie ein Klon der Genre-Urgesteine wirkt, die sich in den letzten Jahren allesamt mit neuen Alben zurückmeldeten.

Der Soundtrack für den nie gedrehten Film über einen Volkshochschullehrgang zum Thema: Wie integriere ich den Computer in meinen Alltag? Teilnehmer: Slowdive und The Blue Nile.

Tanukichans Sound ist organisierter, aufgeräumter. Nicht klinisch, aber doch fernab des Risikos, sich in endlosem Akkordgeschrammel völlig zu verlieren. Stattdessen sorgen cheesy eighties beats und entsprechende Synthie-Einlagen, so zum Beispiel im Track „The Blue Sky“, für Struktur und dezente Kuschelrockvibes. An anderen Stellen verdrängt der Synthesizer die Gitarre sogar gänzlich und sorgt allein und selbständg für die Soundwand, die sich jetzt eher wie ein Hügel anfühlt – überschaubar und dreidimensional.

Nicht klinisch, aber eben modern. Der Soundtrack für den nie gedrehten Film über einen Volkshochschullehrgang zum Thema: Wie integriere ich den Computer in meinen Alltag? Teilnehmer: Slowdive und The Blue Nile. Wird wohl ungedreht bleiben, also bleiben wir realistisch. Sundays von Tanukichan ist nicht Musik für, sondern Musik aus dem dröhnenden Kopf am Sonntagmorgen, aus der sonnendurchfluteten Entnüchterungszelle in den eigenen vier Wänden. Das Album für den Moment, in dem man an einem solchen Morgen wieder Essen herunterbekommt und mit einem Kopf voller verkaterter Ideen in die Ferne starrt – die Sonnenbrille darf aufbehalten werden, ist klar.

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