Ta-Nehisi Coates „We Were Eight Years In Power“ / Review

Über Rassismus und den American Dream: Ta-Nehisi Coates, einer der wichtigsten Intellektuellen der USA, hat zu jedem Obama-Jahr einen Essay geschrieben. Die Sammlung We Were Eight Years In Power. Eine amerikanische Tragödie ist jetzt in der deutschen Übersetzung von Britt Somann-Jung im Carl Hanser Verlag erschienen.

Egal, was noch kommt: Dieses Buch hat den schlimmsten Kater des Literaturjahres. Ta-Nehisi Coates, langjähriger Reporter des Intellektuellenmagazins The Atlantic, inzwischen gemachter Mann und angehender Romancier, wollte es eigentlich gar nicht herausbringen. Der Gedanke, mit einer Sammlung von Essays abzukassieren, die auf verschiedene Aspekte der Obama-Präsidentschaft zurückblicken, erschien Coates geradezu schäbig. Der Verlag wollte aber, und der Autor gab nach: Also wählte er jeweils einen Text pro Obama-Jahr aus, stellte ihnen Kontext stiftende Einführungen voran und schrieb als Epilog einen erwartungsgemäß vernichtenden Aufsatz über Donald Trump, den „ersten weißen Präsidenten“.

Coates’ Kernthese ist inzwischen aus zahlreichen Texten bekannt: ohne Rassismus kein American Dream. Der rasante Aufstieg der USA vom Aussiedlerländchen zur wirtschaftlichen und kulturellen Weltmacht ist untrennbar mit der Sklaverei verbunden. Deren Überwindung führte keineswegs zu einer Verbesserung schwarzer Lebensverhältnisse, sondern vor allem zu gesteigerter Kreativität bei der Anwendung weißer Überlegenheitsstrategien. Diese Gedanken bestimmen alle Essays in We Were Eight Years In Power, egal ob Coates über den schwarzen Konservatismus von Bill Cosby schreibt, Michelle Obama porträtiert oder eine Malcolm-X-Biografie rezensiert. Seine frühen, meist personenbezogenen Texte verblassen gegen die zentralen Stücke des Buchs: den schon bei seiner Erstveröffentlichung vielbeachteten Essay „Plädoyer für Reparationen“ und eine minutiöse Aufarbeitung der gesamten Obama-Präsidentschaft. Auch diese war für Coates kein Zeichen des Fortschritts, eher ein historischer Ausrutscher, der durch die Wahl des Nachfolgers doppelt und dreifach korrigiert worden ist.

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