SWEARIN’
SURFING STRANGE
WICHITA / PIAS / COOPERATIVE / ROUGH TRADE – 02.11.2013

Swearin‘, die Indie-Rock-Band um Crutchfield-Zwilling Allison, veröffentlichen morgen ihr neues Album Surfing Strange. Zur Rezension des Albums gibt es auch den Stream.

So wie’s aussieht, müssen Allison und Katie Crutchfield doch bald wieder eine Band zusammen gründen. Die Zwillinge, die es zu Hause in Alabama als P.S. Eliot zur lokalen Punk-Attraktion gebracht hatten, dann aber mit jeweils eigenen Projekten das Weite suchten (und Philadelphia fanden), grenzten sich zunächst voneinander ab. Katie schrieb unter dem Künstlernamen Waxahatchee ein Folk-Album mit Blockhütten-Entstehungsmythos, Allison gründete Swearin’ und versuchte, den ramponierten Ruf des Pop-Punk zu retten.

Inzwischen sind beide Projekte beim zweiten Album angekommen und die Schwestern wieder näher zusammengerückt. Waxahatchee haben in Bandaufstellung die Platte Cerulean Salt aufgenommen, eine Indie-Rock-Retro-LP, auf der Built To Spill, Elliott Smith und Liz Phair als wahre Helden der 90er-Jahre erkannt wurden. Dabei behilflich war die Rhythmusgruppe von Swearin’, die nun auch Surfing Strange in eine ähnliche Richtung verschleppt. Den punkigen Überschwang, der die Band auf ihrem letztjährigen Debüt zu einer salonfähigen Version von Blink-182 gemacht hatte, bewahren sich nur noch die im letzten Albumdrittel hintereinander weggebolzten Stücke »Unwanted Place« und »Young«.

Das restliche Album bestreiten Swearin’ mit schwereren und langsameren Riffs – nicht die Entwicklung, die man sich vorab von der Band gewünscht hatte, aber ein Plan, der aufgeht. Songs wie »Dust In The Gold Sack« müssen Rockplatten eröffnen: Akustik- und E-Gitarre schalten sich nacheinander ein, mit dem ersten Refrain kommt der fuzz und zum Ende der zweiten Strophe ein Gesangssalto von Allison Crutchfield, wie ihn zuletzt Alanis Morissette vor 18 Jahren gestanden hat. 1995 ist auch das gefühlte Geburtsjahr der übrigen Stücke auf Surfing Strange. Wo sich Pavement mit Wowee Zowee an den Wahnsinn herantrauten und J Mascis als Dinosaur-Jr.-Diktator den Country entdeckte, tun sich für Swearin’ Wege zu Songs auf, die allen klassischen Rockmusikfallen (zu fett, zu käsig, zu riffig) ausweichen. Selbst »Loretta’s Flowers«, das unumgängliche schlagzeuglose Besinnlichkeitsstück, bringt Surfing Strange nicht aus dem Tritt, auch wenn die Unterschiede zwischen Swearin’ und Waxahatchee hier endgültig aufgehoben werden. Vorschlag vielleicht fürs nächste Mal: Einfach zusammen die bestmögliche P.S.- Eliot-Platte machen!

Npr.org streamt derzeit das Album vorab. Jetzt weiter auf SPEX.de: David Bowies ebenfalls morgen erscheinendes The Next Day Extra und Danny Browns Album Old im Stream, neues Video von Bill Callahan zu »Small Plane«, und abstimmen beim SPEX Leserpoll 2013!