Swamp Dogg „Love, Loss, And Auto-Tune“ / Review

In Love, Loss, And Auto-Tune ist drin, was draufsteht. Ob Swamp Dogg damit musikalisch und lyrisch an frühere Großtaten Swamp Doggs heranreicht ist eine andere Frage.

Die größte Überraschung vorab: Hier kriegt man genau das, was draufsteht: Love, Loss, And Auto-Tune. Erwähnenswert ist das, weil es hier um Swamp Dogg geht, einen Künstler, der Konventionen immer gerne auf den Kopf gestellt hat und einst ein Album Greatest Hits nannte, das komplett aus neuem Material bestand. Der Gag dabei war natürlich auch, dass Swamp Doggs bissig-satirischer Soul nie dazu taugte, tatsächliche Hits zu produzieren.

es klingt wie kein Swamp-Dogg-Album und auch kaum ein anderes Soul-Album

Dennoch wäre es falsch, daraus zu schließen, dass der 76-Jährige mit seinem 20. Album vorhersehbar geworden wäre, denn es klingt wie kein Swamp-Dogg-Album und auch kaum ein anderes Soul-Album. Das hängt mit dem Produzenten zusammen: Verantwortlich für den Sound der Platte ist Ryan Olson von Poliça – einer Band, die Auto-Tune als eigenständiges Instrument einsetzt statt als bloße Gesangskorrektur.

Waren es bisher die ungewöhnlichen Lyrics, die aus Swamp Doggs musikalisch für ihre Zeit eher typischen Soul-Songs etwas Einzigartiges machten, geht die Divergenz nun ganz von der Musik und Produktion selbst aus – quasi eine Umkehrung der Swamp-Dogg-Formel. Die künstliche Kälte der Software nutzt Olson, um die Einsamkeit, die viele der Songs in Worte fassen, direkt in den Klang zu überführen. Dazu gibt es postmodernen Elektro-Soul, dessen Rhythmen auch mal in sich zusammenfallen dürfen. Texte und Melodien hingegen hätten ohne Probleme ihren Weg in konventionellere Soul-Schnulzen finden können. Oft genug geht das ziemlich nahe, etwa bei der Single „I’ll Pretend“. Stellenweise wird es allerdings etwas cheesy („If missing you was a crime I’d be getting life“). Mit „$$$ Huntin’“ gibt es aber auch einen Track, der den Biss des „alten“ Swamp Dogg und den abstrakten Sound des neuen ganz organisch unter einen Hut bringt.

Letzten Endes ist Love, Loss, And Auto-Tune eine sehr gute, auf den Sound fixierte Platte, die das Songwriting in den Hintergrund drängt, was schade ist, wenn man weiß, zu was für Großtaten Swamp Dogg in dieser Beziehung fähig ist. Aber daran anzuknüpfen? Wäre wohl zu vorhersehbar gewesen.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.