Superchunk „What A Time To Be Alive“ / Review

What A Time To Be Alive ist gewiss nicht das erste Trump-Verarbeitungsalbum. Superchunk formulieren darauf aber eine so einfache wie wirkungsvolle Ansage in Richtung Washington: „We don’t disappear.“

What A Time To Be Alive ist nicht das erste Album, das die Wahl des aktuellen US-Präsidenten verarbeitet. Wäre aber auch merkwürdig gewesen, hätten sich die Chapel-Hill-Veteranen Superchunk nicht zu Wort gemeldet. Die Band sah das genauso und verzichtete deshalb auf die ganz lange Pause, die sie nach ihrer letzten Platte I Hate Music (2013) eigentlich einlegen wollte. Die Verhältnisse verlangen eben nach einer klaren Positionierung.

Mac McCaughan, Laura Ballance, Jim Wilbur und Jon Wurster stellen sich dieser Aufgabe mit großem Enthusiasmus. What A Time To Be Alive klingt so frisch und überschäumend wie einst der Pop-Punk-Mai von 1992 – vielleicht, weil Superchunk nicht auf sich allein gestellt sind. Noch nie gab es so viele Gäste auf einem ihrer Album: Sabrina Ellis (A Giant Dog), Skylar Gudasz, David Bazan (Pedro The Lion), und, am prominentesten, Stephin Merritt von den Magnetic Fields und Katie Crutchfield von Waxahatchee sind dabei und verkörpern eine Community, die nicht einverstanden ist. Zusammenhalt ist hier kein leerer Werbebegriff, sondern Notwendigkeit.

Widmeten sich Superchunk auf ihrer letzten Platte morbiden Themen wie Altern, Krankheit und Tod, kehrt auf What A Time To Be Alive die gute alte Anti-Establishment-Haltung zurück, gepackt in knackige 30 Minuten. Ein Song wie „Reagan Youth“ wirkt heute eher niedlich-nostalgisch statt kämpferisch, aber „Cloud Of Hate“ oder das bretternde „Lost My Brain“ zielen aufs aktuelle Geschehen und taugen zugleich als künftige Punk-Klassiker. Die Single „Erasure“ (feat. Crutchfield und Merritt) gehört mit sich umeinander windenden Stimmen zum musikalisch poppigsten und euphorischsten, was Superchunk je gemacht haben – und begeht auch nicht den Fehler, allzu konkrete Antworten auf politische Fragen geben zu wollen. Die Botschaft lautet: Wir sind hier, wir sind viele, wir kriegen mit, was ihr macht. „We don’t disappear“, singt McCaughan so beschwörend wie aufmunternd. Das dürfte POTUS45 zumindest auf die Nerven gehen.

 

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