Steve Loveridge „Matangi / Maya / M.I.A.“ / Review

Das Fazit gleich vorweg: Steve Loveridge ist mit seinem Dokumentarfilm über die vor allem unter dem Kürzel M.I.A. bekannte Hip-Hop- und Elektro-Musikerin ein eindrückliches und glaubhaftes Porträt gelungen.

Dass Steve Loveridge mit Matangi / Maya / M.I.A. eine Dokumentation über die gleichnamige tamilisch-britische Musikerin derart gut gelingen konnte, verdankt der Filmemacher, der in den Neunzigerjahren Kunsthochschulkommilitone seiner Protagonistin war, einem äußerst glücklichen Umstand. Mathangi „Maya“ Arulpragasam hat sich schon lange vor der Selbstdarstellung in sozialen Netzwerken selbst dokumentiert. Etwa als Postpubertäre 1996 in London, also elf Jahre, nachdem sie 1985 mit ihrer Mutter und ihrer Schwester aus Sri Lanka in die britische Hauptstadt emigriert war. Sie habe Filme über die Leute gemacht, mit denen sie aufgewachsen ist, heißt es zu Beginn von Loveridges Film.

Ein Oszillieren zwischen harscher Politik und suggestivem Pop-Appeal.

Ausschließlich aus diesen selbstgefilmten Fragmenten sowie einigen aktuellen Interviews und Voiceovers der Protagonistin fächert sich der Film auf. Dabei wird zwar nicht auf das große Pathos verzichtet, das den meisten Musikdokumentationen innewohnt. Die Musik gehörte schon immer zu Mayas Leben, das wird auch hier gleich zu Beginn etabliert und am Ende ganz klassisch in einer Art Rückblende manifestiert, wenn die Oma in Sri Lanka Maya bei deren Besuch dort zu Beginn der Nullerjahre den Lebensrat „Singen macht mich glücklich“ gibt.

Das Gefühl von überzogenem Kitsch aber löst sich in dem Fakt auf, dass man es mit authentischem Videomaterial zu tun hat. Diese Szene ist genauso wenig gestellt wie die frühen Komponierversuche M.I.A.s, die Begegnung mit ihrem Sohn nach ihrem berühmten Super-Bowl-Mittelfinger oder ihr Zorn zu „Born Free“-Zeiten. So spiegelt der Film das Oszillieren dieser Künstlerin zwischen harscher Politik und suggestivem Pop-Appeal, zwischen Glamour und Radikalismus beinahe perfekt wider: Man bekommt ungestelltes Material zu sehen, das aber dramaturgisch suggestiv, glatt und auch äußerst kunstfertig montiert wurde.

Diese Filmkritik ist auch in SPEX No. 383 erschienen. Das Heft ist versandkostenfrei im Onlineshop bestellbar.

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