Stephen Malkmus & The Jicks „Sparkle Hard“ / Review

Einziger Kritikpunkt: Mit einigen Songs weniger klänge Sparkle Hard noch klarer definiert. Doch bei Stephen Malkmus klingt selbst der Ballast so frisch, dass man versteht, warum er ihn nicht über Bord werfen wollte.

Sparkle Hard beginnt am Klavier. Ein Stück namens „Cast Off“ ruft klare Assoziationen zu Jim O’Rourke auf. 1999 hatte Stephen Malkmus mit diesem bei Kim’s Bedroom gespielt, einem Seitenprojekt von Sonic Youth. Schon daran zeigt sich, was das erste Album von Malkmus und seinen Jigs seit 2014 ausmacht: Durch Jugendlichkeit in der Stimme und Reife im Songwriting, die trotz Virtuosität auf allen Ebenen nicht ins Muckertum kippt, entstehen zeitlose Songs. Man fragt sich, wann diese Platte wohl entstanden ist. Einzig ihre warme Produktion verweist auf die technischen Potenziale und den Erfahrungshorizont der Gegenwart.

Hier steckt doch das innovative Momentum!

Im Song „Solid Silk“ lernt man das heftige Glitzern (oder handelt es sich hierbei um einen albernen Imperativ?) aus dem Albumtitel kennen, das in der Instrumentierung immer wieder charmant aufblitzt und Sehnsucht weckt nach Sonnenstrahlen, die sich in den Wellen eines kühlen Badesees spiegeln. Ein Album für den Frühling – bis sich mit dem vierten Stück „Bike Lane“ seine zunächst klare Dramaturgie durch ein plötzliches Abfedern als trügerisch erweist. Das ist mehr Prinzip als Marotte: Die Songs führen in ihrer Verspieltheit bewusst hier und da in die Irre. „Middle America“ etwa erinnert als erste Single an Weezer oder Modest Mouse und fällt im Vergleich zum Rest des Albums ab. Was sind eigentlich die Kriterien für eine Auskopplung? „Rattler“, das in retrofuturistischen Genre-Reflexionen stellenweise wie eine Adaption von Queens „Flash“ erscheint, wäre ein spannenderer Kandidat gewesen. Nicht zuletzt wegen seiner Rekontextualisierung von Auto-Tune in den Spätausläufern des Grunge. Hier steckt doch das innovative Momentum!

Über allem schwebt derweil der Geist von Can, deren Meisterwerk Ege Bamyasi Malkmus vor einigen Jahren in voller Länge gecovert hat. Can, als fiktive Jury für Sparkle Hard gedacht, würde dieses Album sicher sehr gefallen, schließlich oszilliert es wie auch ihr eigenes Werk zwischen Pop und Avantgarde. Am Beispiel der Kölner Band lässt sich auch der einzige Kritikpunkt an Malkmus’ neuer Platte illustrieren: Mit einigen Songs weniger klänge Sparkle Hard noch klarer definiert – bei elf Stücken schleppt es hier und da etwas Ballast mit. Doch selbst der klingt für sich genommen so frisch, dass man versteht, warum Malkmus ihn nicht über Bord werfen wollte.

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