Stella Sommer „13 Kinds Of Happiness“ / Review

Irgendwo zwischen Pop und Goth, zwischen niilistischer Düsternis und sanfter Eingängigkeit ruft 13 Kinds Of Happiness alle Probleme auf den Plan, die man bei der Definition ihres Sound haben kann. Wer wagt einen Versuch?

Schon komisch, dass Stella Sommers Stimme immer wieder als kalt beschrieben wird. Dunkel, distanziert, abgründig, all das, okay – aber kalt?! Dann lieber schwermütig: Mit ihrem an andere große Nicht-Sängerinnen wie Nico, Marianne Faithfull und Hildegard Knef erinnernden Stil zeichnet Sommer nämlich die vielen Facetten der Farbe schwarz, beziehungsweise das, was man sieht, wenn man sich erst mal an die Dunkelheit gewöhnt hat.

Dunkel, distanziert, abgründig, all das, okay – aber kalt?!

Nach Pop & Tod I + II, dem opulenten dritten Album mit Die Heiterkeit von 2016, und ihrem Duoprojekt Die Mausis mit Max Gruber alias Drangsal legt Sommer nun ihr erstes Soloalbum 13 Kinds Of Happiness vor. Dessen Titel ist natürlich Ausdruck ihres speziellen schwarzen Humors, geht es doch fast ausschließlich um Zustände des Verlorenseins. Wobei es auch wirklich witzige Momente gibt, beispielsweise wenn Tocotronics Dirk von Lowtzow in der Klavierballade „Birds Of The Night“ seine Stimme in allertiefste Tiefen schraubt und noch manierierter daherkommt als mit Phantom/Ghost. Oder aber, wenn man beim Gothic-Hit „Dark Princess, Dark Princess“ freudig-jubelnd eine Zeile mitsingt: „All laughter died a-way-ay-ay“.

Von Lowtzow ist nicht der einzige Gast auf dieser erhabenen Platte: Sommer mag verloren klingen, kann aber auf die Unterstützung von Freund_innen wie Hanitra Wagner, Philipp Wulf und Pola Schulten bauen. Gemeinsam einsam, sozusagen. Zwölf der 13 Songs haben englische Lyrics, was sie von sogenannter teutonischer (noch so ein Begriff, den Sommer immer wieder ertragen muss) Schwere befreit: Aufbauend auf klassischem Songwritertum im Geiste Leonard Cohens oder der Sechziger-Düsternis von The Velvet Underground birgt jedes Stück überraschende Wendungen. So wandelt sich „Boat On My River“ nach schroffem Industrial-Einstieg zum sanft schwingenden Popsong, auch mit dem Saxofon-Part im düster-nihilistischen „Collapse/Collapsing“ rechnet man nicht. Überhaupt ist Sommers Gespür für perfektes Timing bemerkenswert: Wenn in „For A Loner“ das Schlagzeug einsetzt, oder die Orgel in „I Had No Idea“, trifft einen das direkt ins Mark. Kalt? Mit Verlaub, big-time-emotional, bitte.

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