Squarepusher Damogen Furies

Der Beweis, dass Spaß und Schmerz auf einer Scheibe koexistieren können: Squarepushers Damogen Furies.

Sofern noch nicht gesehen: Das Sadomaso-Schlagzeugdrama Whiplash ist ein empfehlenswert derber Film. Denkt man JK Simmons’ Oscar-gewürdigten Charakter eines Felix-Magath- und Wynton-Marsalis-haften Jazz-Ausbilders weiter in Richtung einer futuristischen Musikerpersönlichkeit, könnte dabei etwas Ähnliches herauskommen wie dieser Typ, der im vergangenen Jahr einen 22-armigen Drummer, einen 78-fingrigen Gitarristen und einen mit Laserstrahlen spielenden Keyboarder zu einem Ensemble zusammenstellte: Music For Robots von Squarepusher & Z-Machines. Nun glaube ich nicht, dass Tom Jenkinson ein sadistischer Drill-Junkie ist. Dass er eher zur Kunst-kommt-von-Können-und-eiserner-Disziplin-Fraktion gehört als Kumpel Richard D. James, hingegen schon. Ist ja auch kein Wunder angesichts von 20 Jahren Schuften ohne Atempause: Speed-Jazz, Hochleistungsbassarbeit, reihenweise selbstgeschriebene Frickelprogramme, Schaltkreise, Fluxkompensatoren … Hieße es, der gern als Drill’n’Bass-Kobold Verniedlichte würde durch seine hybride Keyboardakrobatik eigenen, höherfrequenten Strom erzeugen, ich würde nicht daran zweifeln.

Elektronische Musik sei mut- und kraftlos geworden, liest man nun im Begleitschreiben von Damogen Furies – eine Aussage wie die ewige Nörgelei, dass HipHop auch nicht mehr das ist, was er mal war. Trotzdem kracht das Album wie Transformers-Charakter Optimus Prime beim Parkour durch zuckende Hochspannungsleitungen, und zwar in Echtzeit. »All of the recordings here were made in one take, with no edits«, heißt es dazu. Ufabulum von 2012 war das abschließende Dokument von Squarepushers eigener Software-Entwicklung – wovon ich rein gar keine Ahnung habe, weswegen mir eine diesbezügliche Wertschätzung der geleisteten Arbeit schwerfällt. Aber ist nun Damogen Furies bemerkenswert anders als mit Readymades von Ableton und Native Instruments geschaffene Klangkunst? Wahrscheinlich. Ist es bemerkenswert anders als andere mir bekannte Musik? Ja. Fetter und metallischer als alle Planet-Mu-Produktionen, dunkler und Alien’esker als Amon Tobin, speed-jazziger und gleichzeitig konsolentauglicher als Aphex Twin.

Squarepusher hat sein eigenes Quadrat a.k.a. Koordinatensystem gepusht a.k.a. erweitert und bis in den letzten Winkel mit Blitz, Donner und Sägezahn ausgefüllt. Die allgemein abgenickten Entwicklungslinien von Miles Davis bis zum Dancefloor kann man darin fast akademisch nachvollziehen, befreit von den »Beschränkungen der menschlichen Anatomie«, dafür mit der »brutalen Energie und Lebhaftigkeit eines Debüts«, wie es nochmals im Begleitbrief heißt. Das macht kalten, mächtigen, progressiven Schmerz. Und Spaß. Mit Lautstärkeregler und Stopptaste in der Hand absolut empfehlenswert!

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