SPEX No. 379: David Byrne – Start Making Sense!

SPEX No. 379, die März/April-Ausgabe 2018 – inklusive der SPEX-CD 142 mit zwölf Titeln –, ist ab sofort im SPEX-Shop erhältlich und ab Donnerstag, dem 22. Februar 2018, im Zeitschriftenhandel. Hier finden sich die aktuellen Abo-Prämien. Weitere Informationen, Ergänzungen sowie ausgewählte Texte folgen in Kürze auf spex.de.

TITEL

DAVID BYRNE: Das himmelblaue Denken
Text – Annika Henderson
Fotografie – Gavin Evans
14 Jahre lang hat er geschwiegen. Jetzt, da alle Welt vom Untergang des Abendlandes redet und keinen Pfifferling mehr auf die Menschheit gibt, meldet David Byrne sich zurück. Und ist unglaublich gut drauf. Der ehemalige Kopf der Talking Heads erfindet auf seinem neuen Soloalbum ein American Utopia und pilgert durch die Weltgeschichte, um zu erklären, was alles richtig dufte läuft auf Planet Erde. Die Musikerin Annika Henderson traf sich für SPEX mit Byrne und bat um Aufklärung. Gibt es wirklich noch Hoffnung?

Foto: Gavin Evans

MUSIK

FEVER RAY: Gewalt, die nicht entzweit
Text – Annika Reith
Fotografie – Louise Einhörning
Karin Dreijer stiftet wieder Verwirrung. Identität und Gender sind für die schwedische Musikerin schon lange keine festen Konstanten mehr, das hat sie mit ihrem Avant-Electro-Duo The Knife und solo als Fever Ray bewiesen. Ihr neues Album Plunge setzt da ein, wo Shaking The Habitual verkopft und Fever Ray eingeschlossen klangen, und knipst die Neonbeleuchtung an, statt zum Tanzen das Licht auszumachen. Es geht um die Befreiung des Körpers. Wenn Dreijer sich noch mal Fesseln anlegen lässt, dann nur in einvernehmlichem Kontext.

Fotos: Louise Einhörning

THE BREEDERS: Ein Idiot, der ich bin
Interview – Sandra & Kerstin Grether
Text – Sandra Grether
Fotografie – Sebastian Mayer
Soft Power: Das ist in der Welt von Kim und Kelley Deal kein politischer Kampfbegriff. Soft Power ist der Fluch und Segen ihrer Band The Breeders. Einst machten die Zwillingsschwestern harten Rock so weich und kraftvoll, wie man es vor 1993, dem Erscheinungsjahr ihres Überalbums Last Splash, noch nicht gehört hatte. Danach wollten sie sich lieber selbst zugrunde richten, als auch nur eine durchschnittliche Platte aufzunehmen. Nicht nötig: Das Breeders-Comeback All Nerve ist famos und zart und mächtig.

A BOOGIE WIT DA HOODIE: Herzallerliebstes Geprolle
Text – Dennis Pohl
Zeichnung – Patrick Klose
Hierzulande ist er noch ein Geheimtipp, in den USA der Rapper der Stunde. A Boogie Wit Da Hoodie klingt auf seinem Debütalbum The Bigger Artist, als würden The Notorious B.I.G. oder Nas über Drake-Beats rappen, und versöhnt damit die Gefühligkeit der neuen Rap-Schule mit der Storytelling-Tradition der Straße. Die wichtigsten tastemaker des Landes sind sich einig: Hier ist er, der nächste Superstar. Und zwar endlich wieder einer, der aus New York stammt.

RHYE: Narziss mit Goldmund
Text – Michael Döringer
Fotografie – Conni Kirste
Musik für nackte Frauenkörper in Schwarz-Weiß, Vol. 2: Mike Milosh veröffentlicht sein zweites Album als Rhye und erzählt darauf von neuen Intimitäten zum altbekannten, geschmeidigen Soul-Pop. Der schrammt mitunter hart an Soft-Porn-Kitsch vorbei, kriegt aber meist die Kurve zur fröhlich beschwingten Hintergrundbeschallung beim Abwasch oder sonstigen häuslichen Aktivitäten. Was macht diesen Sound so erfolgreich? Leere Worte oder ästhetischer Wert?

U.S. GIRLS: Wälzen und walzen
Text – Christina Mohr
Fotografie – Alessandra Padovani
Mit ihrer letzten Platte hängte Meghan Remy ihren verhassten Brotjob an den Nagel. Auf der neuen überwindet sie ihre bescheuerte Angst vor Menschen, die versiert im Umgang mit anderen Menschen sind. Die Chancen stehen also gut, dass U.S. Girls bald zur DIY-Bigband werden und der Welt einen Pophit nach dem anderen ins Ohr quietschen. Los geht es hier und jetzt: mit einem Plädoyer für eine Musik mit mehr Poren und Falten im Gesicht.

Fotos: Alessandra Padovani

ISOLATION BERLIN: Lieder vom Hass auf den Hass
Text – Maximilian Sippenauer
Fotografie – Wolfram Hahn
Ist Friede, Freude, Eierkuchen endgültig vorbei? Kommt nach dem Trend zum suicide Tuesday jetzt der neue Nihilismus? Die Band Isolation Berlin predigt die Selbstverschwendung, den Rausch und ein kleines bisschen Größenwahn. Ihr drittes Album heißt Vergifte dich und behauptet, dass selbst in den abgelutschtesten Floskeln noch eine Menge toxisches Potenzial steckt. Aus diesem Anlass: ein close reading der Platte mit Nietzsche und Faust, aber ohne Gretchen.

Foto: Wolfram Hahn

Vorspiel für… MGMT: „Uns inspirierte vor allem das Klaustrophobische“
Text & Musikauswahl – Johannes von Weizsäcker
Fotografie – Sylvie Weber
Andrew Van Wyngarden und Ben Goldwasser, die sich Anfang der Nullerjahre an der Wesleyan University in Middletown, Connecticut kennenlernten, sind Anfang 2018 verschnupft und gejetlaggt. Gleich zum Auftakt ihrer Europatournee anlässlich des vierten MGMT-Albums Little Dark Age müssen sie sich in einem Zimmer des Berliner Hilton-Hotels anhand von SPEX’ höllisch schwieriger Musikauswahl zu ihrer Vergangenheit und Gegenwart als weltvorderste Psychedelik-Vintage-Elektropop-Band äußern. Sie nehmen es locker und reagieren mit freundlichen Anmerkungen zu Fitness, Thomas Bernhard und Ariel Pink.

LUCY DACUS: Hoffen für Fortgeschrittene
Text – Ester Cara
Fotografie – Scott Csoke
Lucy Dacus ist nicht trendy. Sondern einfach nur die beste Chronistin und Songschreiberin, die der Südosten der USA seit einiger Zeit gesehen hat. In Richmond, Virginia hält sie die Erinnerung an etwas fest, das bald schon zum Auslaufmodell werden könnte: die Menschlichkeit.

Foto: Scott Csoke

Wahlverwandtschaften No. 21 – BUZZ OSBORNE VS. THOMAS SCHEIBITZ:
„Im Paradies blieben die Leinwände weiß“
Text – Max Dax
Fotografie – Luci Lux
Als der deutsche Maler Thomas Scheibitz 2005 gemeinsam mit Tino Sehgal den Deutschen Pavillon der Biennale in Venedig bespielte, wünschte er sich für seine After-Show-Party ein Konzert von Kraftwerk, die seiner Bitte entsprachen und einen inoffiziellen Venedigtermin in ihren Tourplan integrierten. Seitdem gilt Scheibitz, von dem zur Zeit anlässlich seines 50. Geburtstags eine umfassende Retrospektive im Kunstmuseum Bonn zu sehen ist, als Mittler zwischen der Kunst- und der Musikwelt. Scheibitz hat Einflüsse und Interpretationen aus Pop und Rock in zahlreiche seiner Werke einfließen lassen. Im Jahr 2002 verarbeitete er Stücke der Melvins in einer Reihe unbetitelter Skulpturen und Gemälde. Als die Band gegen Ende des Jahres 2017 im Festsaal Kreuzberg in Berlin ein Konzert gab, trafen sich Scheibitz und Buzz „King Buzzo“ Osborne, der Sänger der Melvins, um für SPEX den Grad ihrer Wahlverwandtschaft zu besprechen.

MARK E SMITH: 5. März 1957 – 24. Januar 2018
Text – Jan St. Werner
Zeichnung – Patrick Klose
Die Welt ist alles, was The Fall ist, hieß es 1985 in SPEX. The Fall ist alles, wo ich bin, sagte Mark E. Smith, selbst wenn sonst nur deine Omma auf Bongos haut. Wir wollen gar nicht darüber nachdenken, was The Fall jetzt ist, da Smith seinen letzten Atemzug getan und seinen letzten Fluch ausgestoßen hat. Aber wir wollen uns erinnern und baten Jan St. Werner, von der „Ursuppensession“ mit Smith im Studio von Mouse On Mars zu erzählen, die am Anfang der Aufnahmen von Tromatic Reflexxions stand, dem besten The-Fall-Album, das nicht von The Fall ist.

KUNST / FILM / LITERATUR 

ARTHUR JAFA: Die Zeit der Aliens
Text – Sonja Eismann
Fotografie – Claire Cottrell
Arthur Jafa bediente die Kamera beim afrofeministischen Epos Daughters Of The Dust seiner damaligen Frau Julie Dash, bei Spike Lees Crooklyn, Stanley Kubricks Eyes Wide Shut und Musikvideos von Solange Knowles. In den letzten Jahren trat er mit eigenen Filmen, Video-Collagen und Installationen auch als Künstler hervor. Jetzt ist in der Berliner Julia Stoschek Collection eine Ausstellung zu sehen, die erstmals in Deutschland ins künstlerische Denken des Intellektuellen einführt, dessen erklärtes Ziel die Erschaffung eines autarken Black Cinema ist.

CALL ME BY YOUR NAME & THELMA: Verbotene Früchte
Text – Toby Ashraf
Winter-Alp und Sommermärchen. Hier das Übersinnliche, da das Sinnliche. Hier das Vaterunser, dort das Savoir-vivre. Einmal Grusel-Score, einmal Liebeslieder von Sufjan Stevens. Die Filme Thelma und Call Me By Your Name erzählen unter völlig gegensätzlichen Bedingungen von Queerness und sexuellem Erwachen. Großes Kino! Hätten sich die Regisseure Joachim Trier und Luca Guadagnino in ihren Bildern bloß nicht so verschämt zurückgehalten.

CLEMENS J. SETZ: Dialog gegen die Ungleichzeitigkeit
Text – Sebastian Guggolz
Fotografie – Marion Luttenberger
Unzuverlässige Erzähler, waghalsige Textkonstruktionen und eine unbändige Lust an Spiel und Experiment. Kein anderer deutschsprachiger Gegenwartsautor entzieht sich so konsequent und unvorhersehbar den Erwartungen wie der Österreicher Clemens J. Setz, der sich darüber freut, wenn die Leser ihm misstrauen. Zum Erscheinen von Bot. Gespräch ohne Autor eine Unterhaltung mit dem angeblich Abwesenden, ein Blick in sein neues Buch und der Versuch, den Höhenflügen seiner Fantasie zu folgen.

EINKLANG
Neues aus Musik, Film, Literatur & Kunst

Mit: Lorde, Franz Rogowski, Borusiade, Justin Vernon, Robin Pecknold, Goat Girl, Peach Pit, Signe Pierce, Josefine Rieks, Justin Timberlake, Superorganism

KOLUMNEN

Abgrund & Oberfläche
Diana Weis durchschaut die Styles der Styler
Gute Nacht, John-Boy!
Illustration – Aaron Kämling


Fatma Morgana
Fatma Aydemir folgt ihrer imaginären Freundin in die Parallelgesellschaften
Grauzone, my ass
Illustration – Aaron Kämling

Selbstkritik
Frank Witzel über die Grauzone, in der das Eigene aufhört und das Andere beginnt

Symbolische Ordnung mit Tieren
Illustration – Aaron Kämling

Wie wir leben woll(t)en
1968 vs. 2018

Kann Marx abhauen?
Text – Klaus Walter
50 Jahre nach 1968 untersuchen wir in einer Reihe von Texten, wie
die Umbrüche von damals die popkulturelle und politische Wirklichkeit verändert haben und bis heute prägen. Den Anfang macht das Ver­hältnis von Pop und RAF. Am 2. April 1968 verübte eine Ur­Zelle der RAF zwei Brandanschläge in Frankfurt. Jahre später lässt sich in Literatur, Kino und Musik die Logik einer ästhetisierenden Entpoliti­sierung des Radikalen beobachten. Eine kritische Betrachtung feat. Moritz von Uslar, Brian Eno und Die Goldenen Zitronen.

KRITIKEN

Album der Ausgabe: Anna von Hausswolff Dead Magic

Außerdem Rezensionen zu Mouse On Mars, Frank Bretschneider, Suuns, DJ Taye, Belle & Sebastian, The Spook School, Kreisky, Frankie Cosmos, Erdmöbel, The Blow, Migos, Superchunk, Fishbach, Dita Von Teese, George Fitzgerald, Preoccupations, Dream Wife, Sam Vance-Law, Poliça & Stargaze, Timo Blunck, Amen Dunes, Lost Girls, And The Golden Choir, Ought, Essaie Pas, Yo La Tengo, Laurie Anderson & Kronos Quartet,  u.v.a.

Present Shocks – Elektronische Musik zur Zeit mit Kristoffer Cornils
FIS, Rob Thorne, J.G. Biberkopf, Ramzi

Gegenwartskunde – Popwelt mit Klaus Walter
Aaron Spectre, Equiknoxx Music, Leslie Winer

Punchzeilen – Rap mit Marcus Staiger
Pöbel MC, Milli Dance, Olexesh, Bausa

Odyshape – Selten gehörte Musik mit Joachim Ody
Gogo Penguin, Denis Frajerman, Hollis Taylor

Filmkritiken
I, Tonya, Laurin, Loveless

Buchkritiken
Martin Büsser Für immer Pop, Virginie Despentes Das Leben des Vernon Subutex 2, Daniel Galera So enden wir

SPEX CD 142
Zusammenstellung – Daniel Gerhardt
Fotografie – Karoline Kaemling

1. Fever Ray – „Wanna Sip“
2. Frankie Cosmos – „Being Alive“
3. Preoccupations – „Espionage“
4. The Blow – „Get Up“
5. View – „Trippin‘ Sober“
6. DJ Taye – „Trippin’“
7. Sam Vance-Law – „Prettyboy“
8. Anna von Hausswolff – „The Mysterious Vanishing Of Electral“
9. Superchunk „Reagan Youth“
10. Suuns – „Watch You, Watch Me“
11. And The Golden Choir – „The Distressed Jeans“
12. Erdmöbel – „Tutorial“

PERSPEKTIVE 

BYE-BYE, NETZNEUTRALITÄT: The bits are not alright
Text – Felix Maschewski & Anna-Verena Nosthoff
Fotografie – Kevin Fuchs
Zum wievielten Mal hat das Internet seine Unschuld verloren? Die Ende 2017 erfolgte Abschaffung der Netzneutralität in den USA berührt ein grundlegendes Prinzip des Datenverkehrs: die Gleichbehandlung von Information unabhängig vom Inhalt. Die jüngste Deregulierung könnte im Verein mit den Monopolisierungstendenzen, die das Netz ohnehin bestimmen, dafür sorgen, dass auch der Informationsfluss bald von den Meistbietenden kontrolliert wird. Was für die Nutzer bleibt? Service, Service, Service.

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