SPEX-Redaktionscharts 2013

SPEX Redaktionscharts 2013

Was waren die Alben und Songs des Jahres 2013? Die SPEX-Leser und -Redaktion haben gewählt – mit teils sehr unterschiedlichen Ergebnissen. Arcade Fire streiten sich mit Vampire Weekend, Dean Blunt und The Knife sind bei uns oben mit dabei, Daft Punk und Oneohtrix Point Never haben hingegen eure Gunst. Im Folgenden die SPEX-Redaktionscharts 2013 in der Kategorie »Alben« (über Songs wurde nur von den Leser abgestimmt). Die Lesercharts finden sich hier und alle weiteren Listen sowie zwölf Essays zum Jahr aktuell in SPEX N°350.

 

Vampire Weekend Modern Vampires of the City

1 VAMPIRE WEEKEND Modern Vampires Of The City

Über Afrobeat- und Twee-Exkurse haben es Vampire Weekend nach Hause geschafft. Modern Vampires Of The City ist ihr amerikanisches Album, wie Springsteen im feinen Kaschmir-Cardigan, voller Roadtrips, Pophits und kluger Gedanken zum unaufhaltsamen Untergang ihrer Heimatstadt. Ab jetzt können sie alles machen, außer sich auflösen natürlich.

Nick Cave & The Bad Seeds Push The Sky Away

2 NICK CAVE & THE BAD SEEDS Push The Sky Away

Eigentlich gab es 2013 nichts Altmodischeres als diese Platte. Ein Album-Album, das man gefälligst an einem Stück hören sollte, ja musste. Nick Caves größte Hits sind auf anderen Platten, keine Frage. Aber ein so verwegenes, hingebungsvolles, hochinspiriertes Wahnsinnsding wie Push The Sky Away ist ihm in seiner gesamten Karriere noch nicht gelungen. Und das will einiges heißen.

Dean Blunt The Redeemer

3 DEAN BLUNT The Redeemer

Im Himmel hängen 1000 traurige Geigen. Und eine Sample-Schleuder, die aus berstendem Glas und Autohupen und Mailbox-Monologen unerhörte Hymnen zaubern kann. Sie gehört Dean Blunt. Sein Redeemer ist eine einzigartige Verdichtung von all dem, was übrigbleibt, wenn da nur mehr Herzschmerz und LoFi und eine Rap-Vergangenheit sind. Call me when your heart is empty!

4 TOCOTRONIC Wie wir leben wollen

Bye bye, Körperpanzer: Tocotronic streifen alles Überflüssige ab und schaffen Platz für ein luftiges Doppelalbum, das sie sanfter und musikalischer als je zuvor zeigt. Dirk von Lowtzow textet dazu gegen das Dagegensein – zum ersten Mal stecken mehr Antwortmöglichkeiten als Fragen in seiner eleganten, rockbefreiten Sprache.

5 ARCADE FIRE Reflektor

Arcade Fire waren eine angekommene Band: von Kritikern wie Fans gefeiert, einen Grammy für The Suburbs im Regal. Wie also weiter? Mit dem alten Erfolgsrezept? Lieber Disco-Archivar James Murphy an die Regler holen und eine Platte aufnehmen, die mal groovt wie Jackson, dann wieder rockt wie T. Rex. Und eine wahrhaft große Band werden.

6 THE KNIFE Shaking The Habitual

Kann Musik überhaupt noch als politische Kunst funktionieren? Die Geschwister Dreijer wagen einen finalen Versuch von epischer Länge. Ein erhellendes Post-Gender-Manifest voller neuartiger Klänge, Mark- und Herz-erschütternd bis in die letzte der 96 Minuten. Tatsächlich: weit mehr als nur Musik.

7 KING KRULE 6 Feet Beneath The Moon

Der gerade 19-jährige Archy Marshall verbindet alles, was die Glasfaserleitung an Musik zu bieten hat und intoniert mit seiner für einen Teenager viel zu wetterwüchsigen Stimme dieses Stil-Amalgam so unverschämt leichtfüßig, wie es wohl nur jemand kann, der das Konzept des Remix’ mit der Muttermilch aufgesogen hat.

8 PET SHOP BOYS Electric

Wer traut sich denn so was? Wer darf das? Die ganz feiste Ibiza-Rave-Keule rausholen, in Plastik-Synthie-Tröten blasen, so richtig auf die Kacke hauen – und dazu dann mit Glöckchenstimme im Luhmann’schen Sinne über die Liebe und die »Bo-bo-bo-bo-bourgeoisie« singen? Das dürfen nur diese beiden Boys. Wahnsinn!

9 EARL SWEATSHIRT Doris

Der U20-Rekord-Rapper gibt sich auf seinem Debütalbum vergleichsweise gesittet. Die kaputten Sex-, Gewalt- und Molly-Fantasien früherer Mixtapes ersetzt er durch motzige, aber atemberaubend konstruierte und gerappte Geschichten über zu frühen und falschen Ruhm. Die Partybremse des Jahres.

10 FACTORY FLOOR Factory Floor

Drei verschrobene Kickdrum-Fanatiker, die in einem Nordlondoner Warehouse lange und leidenschaftlich ihre Musik auf das Allernötigste eindampften. Gradlinig, trocken und umwerfend sind ihre meist sechsminütigen Reduktionen. Ein Triumph der Stoik, aufgenommen von den legitimen Erben von Factory Records & Co.

11 COCOROSIE Tales Of A Grass Widow

12 JESSY LANZA Pull My Hair Back

13 MY BLOODY VALENTINE MBV

14 JANELLE MONÁE The Electric Lady

15 LORDE Pure Heroine

16 RHYE Woman

17 ARCTIC MONKEYS AM

18 MARC ERNESTUS PRESENTS JERI JERI 800% Ndagga + Ndagga Versions

19 PREFAB SPROUT Crimson / Red

20 JULIA HOLTER Loud City Song

*Die Top-Ten-Alben wurden kommentiert von Torsten Groß, Arno Raffeiner, Daniel Gerhardt, Thomas Vorreyer und Dennis Pohl. An der Auswahl beteiligten sich weiterhin die folgenden Redakteure und Autoren: Tim Caspar Boehme, Lisa Cordes, Max Dax, Sonja Eismann, Kerstin & Sandra Grether, Christoph Gurk, Tino Hanekamp, Martin Hossbach, Thomas Hübener, Patrick Klose, Jacqueline Krause-Blouin, Aram Lintzel, Christina Mohr, Tobi Müller, Joachim Ody, Hendrik Otremba, Matea Prgomet, Andreas Rheise, Anja Rützel, Florian Sievers, Holger In't Veld, Walter W. Wacht und Klaus Walter.

Alle Alben können sich auf der SPEX-Seite beim Musikstreamingdienst WiMP angehört werden.

4 KOMMENTARE

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.