Zum Kunstwerk erhoben

Seit den frühen Achtzigern hat Max Müller mit seinen Bands Mutter, Die Honkas und Campingsex die Avantgarde der deutschsprachigen Popmusik geprägt. Neben vielen anderen sind Jochen Distelmeyer, Tobias Levin und Jens Friebe von seinen existenzialistischen, nie ironischen Texten beeinflusst. Keiner seiner Bands wurde je der verdiente Erfolg zuteil. Erst kürzlich erinnerte sich Ralph Christoph (ehemals Chefredakteur der Spex, heute c/o pop) in seinem Reiseblog während eines Gastspiels in Shanghai an die Rezeption und Reichweite von Mutter:

    »While Hans (Nieswandt) was playing lots of electronic stuff with German vocals, ment to be a statement and comment on where he was playing, some indian looking guy came up to him and asked: ›Do you have some music by Mutter?‹ – By Mutter?! I don’t know how many fans of the German band Mutter exist in general, but what I know is, that it was probably the worst selling issue of Spex magazine, where I was working back in the days, when we had put them on the front cover! So, imagine Hans’ reaction: a mixture of unbelief, confusion and great delight.«

    Tatsächlich dürften die nackten Plattenabverkaufszahlen für Mutter heute nur noch eine untergeordnete Rolle spielen: Ihr neues, soeben auf dem hauseigenen Label Die Eigene Gesellschaft erschienene Album »Trinken Singen Schießen« finanzierten sie über Schuldverschreibung. 99 fortlaufend nummerierte und signierte Kaltnadelradierungen druckten Mutter auf Büttenpapier, die Wertpapiere wurden zu je 100 € an Investoren (oder besser gesagt: Idealisten, Freunde, Fans) verkauft und so die Albumproduktion finanziert. Nach einem Jahr kann die Investition bei Bedarf ausgelöst werden – was bei den so zum Kunstwerk erhobenen Drucken eher unwahrscheinlich und daher für beide Seiten ein interessantes Geschäft ist. Was man alles zu dem neuen Album »Trinken Singen Schießen« wissen muss, findet sich in der kommenden Ausgabe Spex #329, die ab dem 22. Oktober am Kiosk erhältlich ist. Wie Max Müllers Textarbeit im Detail funktioniert, berichtete er bereits in der Reihe »Auf der Suche nach einer eigenen Kunstsprache« in Spex #309.

    Einige Gründe mehr also, Mutter heute live zu sehen. Denn wie das Album »Trinken Singen Schießen« klingt, kann man auch bei der am 6. Oktober beginnenden Tour erleben. Neben den vier Shows in Berlin, Köln, Trier und München kehren Mutter im Dezember für sechs weitere Shows auf die Bühne zurück.

 

Spex präsentiert Mutter Live:
06.10. Berlin – Wild at Heart
07.10. Köln – Gebäude 9
08.10. Trier – Ex-Haus
09.10. München – 59:1
08.12. Düsseldorf – Zakk
09.12. Augsburg – Ballonfabrik
10.12. Schorndorf – Manufaktur
11.12. Weinheim – Café Central
16.12. Hamburg – Hafenklang
17.12. Husum – Speicher
18.12. Wolfsburg – Hallenbad

Foto: © Mutter

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