Kaum werden die Tage länger, werden in Oberhausen die Filme kürzer. SPEX präsentiert den 21. MuVi-Preis der Kurzfilmtage Oberhausen.

Musikfernsehen ist tot, lang lebe das Musikvideo! Das Medium hat seine Hebamme überlebt, aber der Weg zur Emanzipation als eigenständige, visuelle Kunstform hat ein paar Jährchen gedauert: Seit 1999 sind Musikclips Teil des Programms der Kurzfilmtage Oberhausen, seit 2001 wird das beste, deutsche Musikvideo mit dem MuVi-Preis gewürdigt.

„Kaufe gar nichts mehr, töte die Wirtschaft“ – Nation of Defects von Klaus Erika Dietl & Stephanie Müller (Foto: Still).

Die Auszeichnung kürt visuell außergewöhnliche Musikvideos, deren Regie oder Produktion in Deutschland ansässig sind. Die Jury ist international besetzt: Mit dabei sind der US-amerikanische Musikproduzent und Ex-Whirlpool-Productions-Drittel Eric D. Clark, der unter anderem für Produktionen von Peaches verantwortlich ist, der deutsche Medienkünstler Jan Ehlen, Gründer von Shiny Toys, einem Festival für zeitbasierte Experimentalkultur, und die US-amerikanische Musikjournalistin Liz Pelly, deren Texte zum Phänomen StreambaitPop gerade in aller Munde sind.

Neben dem Urteil der prominent besetzten Jury beugt man sich in Oberhausen auch der Basisdemokratie: Vom 2. April bis zum 2. Mai kann das Publikum auf www.muvipreis.de für seine Favoriten stimmen.

Nominierte aus Electronica, Diskurs Pop bis hin zur Neuen Musik

Die elf Nominierten decken dabei ein breites Spektrum ab, sowohl in der visuellen Umsetzung als auch der begleitenden Musik. Es gibt Diskurs-Poppiges wie Dietrich Brüggemanns Kopfüber-Tristesse im Video zu  „Schuld” von Theodor Shitstorm, oder das „Nützliche Katastrophen”-Video für Die Goldenen Zitronen. Konzipiert von Schorsch Kamerun, Mense Reents und Timo Schierhorn, suggeriert es, wie The Carters „Apesh**t” aus der Perspektive des vielbeschworenen, alten, weißen Mannes ausgesehen hätte.

Svenja Voß untermalt Bass Grossfeldts „Lost In Translation” mit wackeligen, verfremdeten Aufnahmen einer postsowjetischen Landschaft, die mit dem Track eine immersive Symbiose eingehen. Und dann ist da noch das glitchy-performative Video von Ela Mergels zu Julia Mihálys „Grand Hotel Establishment“, dessen Track als Kompositionsauftrag für den Deutschlandfunk entstanden ist. Gemeinsam mit „Sollten Behinderte Bioeier kaufen?” von Nikolai Müller bilden die beiden Beiträge das avantgardistische Spektrum der Wettbewerbsfilme ab.

 

Sowohl die Gewinner_in des MuVi-Online-Publikumspreises als auch die Gewinner_in des MuVi-Preises werden am Sonntag, den 4. Mai, noch mal auf der großen Leinwand gezeigt.

Ähnlich facettenreich wie die MuVi-Preis-Nominierten ist auch das diesjährige Programm der Kurzfilmtage Oberhausen. Elf Programmpunkte enthalten unter anderem die deutsche und internationale Wettbewerbsreihe, Kinder-und Jugendfilme und Archiv-Screenings. Außerdem werden Seminare und master classes angeboten.

SPEX präsentiert den 21. MuVi-Preis der Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen

01.05 – 06.05 Oberhausen – diverse Kinos