Claude Lanzmanns »Warum Israel«

Am 25. Oktober 2009 verhinderten linke Nutzer des B5-Zentrums eine Aufführung des 1972 gedrehten Debütfilms »Warum Israel« des französischen Regisseurs Claude Lanzmann (»Shoah«) im Kino B-Movie auf St. Pauli. Es wurden Flugblätter verteilt (»Warum nicht Israel«), gewaltsam wurde den Besuchern der Zutritt verwehrt. Nachdem die deutsche Presse zunächst kaum Notiz von dem Vorfall genommen hatte – obwohl der erste seiner Art weltweit, noch nie war ein Film von Lanzmann auf diese Art boykottiert worden –, änderte sich dies erst, als der Hamburger Journalist Sebastian Hammelehle das Thema Mitte November bei Spiegel Online auf die Agenda nahm und als erster Stellungnahmen des Regisseurs publizierte – zahlreiche andere Medien berichteten in der Folge.


Demonstration gegen die »Hamburger Unzumutbarkeiten« anlässlich des zweiten Aufführungstermins von »Warum Israel« in Hamburg
Foto: © Spex

    Claude Lanzmann, 84, war Weggefährte von Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir, heute führt er deren journalistisches Lebenswerk, die linke politische Zeitschrift Les Temps Modernes, in Paris als Herausgeber fort. Berühmt wurde der einstige Résistance-Kämpfer mit »Shoah«, dem bis heute wichtigsten Film über die Ermordung der europäischen Juden durch die Nationalsozialisten während des Zweiten Weltkriegs. Über »Warum Israel« sagt der Regisseur: »Ich spreche in meinem Film über das Erstaunen, das eintritt, wenn man realisiert, dass die meisten in diesem Land jüdisch sind. Das ist die Aussage meines Films, und zugleich ist es die Frage, die ich mir seinerzeit selbst gestellt habe: Was ist Normalität, was ist Abnormalität?«

    Über den Hamburger Vorfall sagt Lanzmann: »Für mich wird deutlich, dass diese Denke, die sich antizionistisch gibt, im Kern eine antisemitische ist. Die Deutschen, ob linksradikal oder nicht, haben sich wie Herren aufgespielt. Diese Rolle dürfen sie nie wieder spielen.«

    Das Uebel & Gefährlich zeigt »Warum Israel« in einer Sondervorstellung am Montag, den 18.1.2010 um 19:00 Uhr mit anschließender Diskussion über die Frage, wie der Hamburger Vorfall zu deuten ist und welche Aussagen Lanzmann als Regisseur mit seinem Film hat treffen wollen. Wir freuen uns, dass Claude Lanzmann, der Konkret-Herausgeber Hermann L. Gremliza sowie der Kulturtheoretiker Klaus Theweleit, der u.a. in seinem Buch »Das Land das Ausland heißt« ausführlich über Lanzmanns Filme geschrieben hat, zu Gast sein werden. Moderieren wird die Runde Max Dax, der Chefredakteur der Spex.

 

Spex präsentiert Claude Lanzmanns »Warum israel«:
18.01. Hamburg – Uebel & Gefährlich

Weitere Informationen:
» Claude Lanzmanns »Warum Israel« aus Spex #314:

» Claude Lanzmanns »Tsahal« aus Spex #321:

» Spielt nie mehr die Herren – Claude Lanzmann im Freitag-Interview
» Rufmord an Claude Lanzmann – Jürg Altwegg in FAZ zu den Vorwürfen von Christian Welzbacher in DIE ZEIT zur Geschichtsbeschönigung Lanzmanns
» Claude Lanzmann im »Dissonanz«-Blog

1 KOMMENTAR

  1. […] World (1, 2) und dieses Interview mit Claude Lanzmann im Freitag Abhilfe schaffen). Trotzdem eine weitere Vorführung inkl. eines anschließenden Podiumsgesprächs mit Claude Lanzmann, Klaus Theweleit, Hermann […]

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