Zehn Alben für zehn Jahre: In der dritten Ausgabe unseres Podcasts diskutiert die SPEX-Redaktion einen radikal entschlackten musikalischen Rückblick. Außerdem fährt Bernadette La Hengst zur Klimakonferenz und Klaus Walter verzweifelt an Spotify-Bestenlisten.

Wir schreiben das Jahr 2010 und das Jahrzehnt der weißen Indie-Boys und „The“-Bands scheint endlich passé. Kanye West tritt mit „Who Will Survive In America“ die Tür ein und Janelle Monaé sieht sich als messianische Schwarze Androidin im Auftrag, die Unterdrückten zu befreien. Sind doch gute Aussichten, oder? Dachten wir zumindest damals.

Der SPEX-Podcast
Was war los im letzten Pop-Jahrzehnt? SPEX-Podcast Folge Nummer 3 liefert mehr als eine Antwort. (Bild: SPEX)

Eigentlich könnte man die letzten zehn Jahre Pop-Geschichte ja auch als große Empowerment-Erzählung feiern. Rapper dürfen in den Zehnerjahren queer und erfolgreich sein (hey, Frank Ocean), Kendrick Lamar wird mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet (ja, es gibt einen Pulitzer für Musik), die kapitalstärksten weiblichen Pop-Stars beamen sich das Wort „Feminist“ in Lastwagengröße in ihr Bühnenbild (Grüße an Beyoncé) und die New York Times postuliert: „Rock is ruled by women”. Insgesamt also ziemlich woke das ganze. Schade nur, dass hinter sämtlichem Aktivismus immer auch ein beschissener gesellschaftlicher Beweggrund steckte (und manchmal auch der Markt). Wenn man genau hinschaut, wird alles schließlich immer komplizierter als gedacht.

Trotzdem – oder gerade deshalb – hat die SPEX-Redaktion für die dritte Ausgabe unseres Podcast diesmal in Vollbesetzung die Lupe angesetzt: Von Monaés afro-futuristischem Konzeptalbum The ArchAndroid über Holly Herndons Platform, das sich mit eben jener kapitalistischen Marktstrategie beschäftigt, bis hin zu Plastic Anniversary des Experimental-Duos Matmos wird jedem Jahr des Jahrzehnts ein aussagekräftiges Album zugeordnet – und diskutiert.

Sprachen wir eben von Aktivismus? Der ist auch in den letzten Tagen der Dekade noch lange nicht verbrannt. Findet jedenfalls Musikerin und Regisseurin Bernadette la Hengst. Mit ihrem Chor der Statistik singt sie derzeit gegen Immobilienspekulant_innen und die Klimakrise an – und liefert uns auf dem Weg zur Klimakonferenz in Madrid noch fix einen „Gedanken zur Zeit“.

Auch die Musikerin Billie Eilish lieferte im vergangenen Jahr neue Denkanstöße. Zumindest für Klaus Walter. Der stellt in der ersten Ausgabe seiner Kolumne „Gegenwartsfunde” fest, dass er ihr Debüt When We Fall Asleep, Where Do We Go? zwar nicht ganz versteht, aber mit Eilish wesentlich mehr anfangen kann als mit den deutschen Streaming-Charts oder einer Reissue der Go-Betweens.

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