Next chapter: Internet – SPEX macht online weiter

SPEX wird mit dem 01. Februar 2019 online weitergeführt. 

Kennen Sie eigentlich noch die große Hamburger Punk-Band Angeschissen, liebe Leser_innen? Haben wir hier in den letzten Wochen öfter gehört. Weil wir uns eben so gefühlt haben, ganz schön angeschissen.

Aber keine Sorge, wir wollen jetzt nicht zu einem rant gegen den Lauf der Dinge ausholen. Im Gegenteil. Was wäre die Welt schon ohne die universelle Konstante des Wandels? Keine, in der wir leben wollten, wagen wir jetzt einfach mal zu behaupten.

Dass besagter Wandel uns irgendwann auch erwischen würde, war natürlich absehbar. Zu dieser Einsicht reichte ein kurzer Blick auf die jeweils neuesten Branchenzahlen, die bedrückend regelmäßig gewordenen Nachrufe auf die Konkurrenz oder die völlig veränderte Marktlage. Born to lose, sozusagen.

Dass am Ende alles so schnell gehen würde, haben wir allerdings auch nicht geahnt. Wenige Wochen erst sind vergangen, seit wir den Exitus der gedruckten SPEX verkünden mussten, die Tinte der letzten Printausgabe ist kaum getrocknet, und schon brüten wir wieder über derselben Frage, die wir auf dem Titel von SPEX No. 384 auch Ihnen stellen: what‘s next?

Aber kommen wir noch einmal kurz zu Angeschissen zurück. Deren 1987 erschienene erste Single hieß „Angst macht keinen Lärm“, entstanden natürlich in einem ganz anderen Kontext. Dennoch passt die Zeile einfach zu gut in unsere Situation.

Denn letztlich gab es zwei Möglichkeiten, auf den jüngsten Einschnitt zu reagieren. Wir hätten uns bequem darüber beschweren können, dass das vermaledeite Internet uns die schönen Jobs wegfrisst, mit seiner Gleichzeitigkeit jegliche Pop-Kritik obsolet macht und überhaupt alles beschissen ist. Oder eben den neuen Vorzeichen entgegen zu treten, zum beherzten Sprung ins Ungewisse anzusetzen und einen Vorschlag zu formulieren, wie relevanter, unabhängiger Journalismus in Zeiten des Glasfaserkabels aussehen kann. Mit anderen Worten: betretene Stille oder mutiger Lärm?

Um es kurz zu machen: Wir haben uns für die zweite Variante entschieden. Warum, fragen Sie? Weil beleidigtes Abwenden nie der Stil dieser Zeitschrift war. Weil dieser spezielle Masochismus, den es wohl schon immer für engagierten Pop-Journalismus brauchte, zu tief in uns verwurzelt ist. Vor allem aber, weil wir an SPEX glauben. Also daran, dass es weiterhin eine Stimme braucht, die abseitigen, marginalisierten, diskriminierten und aufrührerischen Positionen in Pop und Gesellschaft zu Gehör verhilft. Daran, dass diese überhitzte Welt nach mehr Distinktion verlangt. Daran, dass es unumgänglich ist, sich weiterhin mit Herz und Hirn gegen die Vereinfachungen der neuen Rechten zu stellen. Daran, dass Pop-Journalismus mehr ist als eine halbe Feuilletonseite. Daran, dass in der Popkultur weiterhin der verlässlichste Seismograf gesellschaftlicher Tektonik liegt. Und daran, dass wir in diesen Zeiten weniger Angst brauchen – und mehr Lärm.

Das haben uns in den vergangenen Wochen nicht zuletzt Ihre zahlreichen Zuschriften klargemacht, für die wir uns an dieser Stelle von ganzem Herzen bedanken möchten. Was Sie nun ab dem 01. Februar 2019 von dieser neuen SPEX erwarten dürfen, wollen wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht im Detail verraten. Nur soviel: Wir arbeiten bereits mit allen verfügbaren Köpfen an einer neuen Gestaltung, an frischen Audioinhalten, an mehr Raum für Tiefe und jeder Menge anderen Formaten, die die besten Seiten des Printmagazins ins Internet übertragen und erweitern werden.

Neugierig? Schauen Sie doch in den nächsten Tagen mal auf unserem Instagram-Profil vorbei, wo wir immer wieder Einblicke in den Maschinenraum bieten werden. Oder schreiben Sie uns gleich persönlich Ihre Wünsche, Anregungen oder Kritik unter redaktion@spex.de. Denn nach wie vor gilt: Ohne Sie gäbe es keine SPEX – nun noch mehr als zuvor.

Um unsere Arbeit nämlich weiterhin unabhängig, kritisch und frei von digitalem Massendenken machen zu können, haben wir uns dafür entschieden, zu einem Abomodell zu greifen. Das bedeutet grundsätzlich, dass Sie gegen einen Obolus von rund zwei Euro pro Monat auf alle zukünftigen Inhalte samt des kompletten Heftarchivs aus 38 Jahren SPEX zugreifen können. Was uns daran aber besonders gut gefällt: Im neuen Modell können Sie uns und unseren Journalismus ganz direkt unterstützen – und uns ohne Umwege an unserer Qualität messen.

Bleiben Sie uns also gewogen. Wir freuen uns auf die Zukunft mit Ihnen!

Herzlich,
Dennis Pohl

53 KOMMENTARE

    • Haben Sie, ja. Ihr Abo wird automatisch in ein Onlineabo umgewandelt werden, wenn Sie das möchten. Mit dem letzten Heft sollten alle Infos dazu bei Ihnen angekommen sein. Das Archiv ist aktuell noch nicht vollständig, wird aber fortlaufend aufgefüllt. Einzelne Ausgaben fehlen uns leider auch und sind ziemlich schwer zu finden. Sind aber dran. Beste Grüße!

  1. Habe noch die Spex mit dem Andreas Dorau Titel, die war damals mit in Stalingrad, den Rest auch, dennoch nie abonniert, warum weiß ich nicht.
    Aber nun denn…

  2. Seit der Ausgabe 11/81 mit Andreas Dorau auf dem Titel weitgehend vollständig, tatsächlich auch hin und wieder mal was nachgelesen, doch nie abonniert. Jetzt aber habt ihr mich so weit… .
    Mit den besten Wünschen für den Relaunch.

  3. klar … Abo! Digital ist besser. Habe dann nur noch die Motorwelt als Print:-) Verbessert auch eure CO²-Bilanz.
    Ich freue mich.
    Gruß
    Jan

  4. Da habt Ihr meinen Wunsch, online weiter zu machen, glücklicherweise aufgegriffen. Als Abonnent seit Anfang 1983 (ja, wegen der seinerzeitigen “Sounds”-Einstellung) bin auch ich gerne bereit, Euch weiter zu abonnieren.
    Mit der Information auf dem Deckblatt für die Noch-Abonnenten scheint es flächendeckend nicht funktioniert zu haben. Bei meinem Exemplar gab es auch keine Information! Ich melde mich dann bei Euch.
    Rip it up and start again!

  5. Als Abonnent seit 1983 werde ich Euch auch weiter unterstützen und abonnieren. Aber das mit dem Deckblatt hat wohl nicht funktioniert – hab auch keine Information auf dem Deckblatt erhalten.
    Rip it up and start again!

  6. Eine großartige Idee!

    Den SPEX-Niedergang hätte ich nach dem SOUNDS-Niedergang anno Ende 1982 nämlich nicht mehr verkraftet. Damals ließ die SOUNDS-Redaktion auf der vorletzten Seite verlauten: “Die guten Zeiten sind erstmal vorbei.” Ganz im Gegenteil! Wenn man euren vielversprechenden Ankündigungen Glauben schenken darf, geht es jetzt erst richtig los. Ich bin sehr gespannt.

    Natürlich abonniere ich die Netz -Spex! Wohin kann man das Geld ab wann überweisen? Grüße von Bong Boeldicke

  7. Jasu Kumbare,

    Darauf warten wir auslandsdeutschen, digitalen Nomaden schon ewig.
    Freue mich auf eure weiterhin erfreulichen und guten Schreibereien.

    Grüße aus’m Süden

  8. Ihr lieben, mach ich natürlich mit, auch wenn ich kein instagramm hab, ich wünsch euch alles gute, frohes fest aus wien & haltet die ohren steif, thomas (vielleicht konmt dann die frau rützel wieder an bord?)

  9. Leider war meiner Aboprintausgabe keine Hinweise zur Fortsetzung ins Digitalalbum beigefügt. Genügt eine Mail an den bisherigen Abpservice mit der Abonummer. Schön, dass Ihr weitermacht. VG Helge

  10. Spex digital only? Warum nicht!
    Aber bitte wieder “Musik zur Zeit”. Stellt die Musik in den Mittelpunkt! Dann bin ich wieder dabei, nach ca. 20 Jahren Abstinenz.
    Gruß von einem Leser der ersten Stunde (No.1 bis tief in die 90er)

  11. Moin liebe Menschen,

    die Frage ist, was macht man wenn man weder Paypal noch einer dieser tollen Kreditkarten hat, sondern einfach nur ein schnödes durschnittliches Konto. Würde auch gern abonnieren, habe aber eben halt “nur” ein ganz langweiliges Konto.

    Liebe Grüße

  12. Hallo SPEX,
    als Musikliebhaber aus der Steinzeit (Jahrgang 1958), bin ich auch SPEX-Leser seit Tag 1. Aber auch damals noch Sounds, NME und Melody Maker. Ich kann das Gejammere vieler über den Tod von Zeitschriften im Allgemeinen, aber der Musikzeitschriften im Besonderen kaum noch hören.

    Ja, ich kann mich über alle “Kanäle” über das Universum der Musik informieren und mir fast alles anhören, seeehr billig kaufen oder vielleicht auch umsonst beschaffen. Aber erstens: Habe ich die Zeit um mich durch den riesigen Scheißehaufen zu wühlen umd die Perlen zu finden? Nö.

    Und zweitens: Will ich, dass auch der Musikjournalismus zum Opfer des neoliberalen Plattformkapitalismus wird und die Schaffenden nur noch prekäre Gig-Schreiber werden? Es ist eine Frage der Haltung und des Respekts für mich, für gute Arbeit auch zu Zahlen. Abgesehen davon, was haben den so viele gegen das Lesen von Zeitschriften (Haptik, Sinnlichkeit und eine Atmosphäre von “qualitativem” lesen.

    Ja, ich will das “gatekeeper” aus der Fülle an Neuerscheinungen für mich eine überschaubare Auswahl kuratieren. In diesem Sinne habe ich soeben ein Abo abgeschlossen und freue mich auf das kommende SPEX – Jahr.

    Viel Erfolg!
    Andreas

  13. … wird das spex abo online irgendwann auch mit österreichischer rechnungsadresse funktionieren? Cheers,

    thomas

    • Lieber Thomas, wir arbeiten daran und ich bin zuversichtlich, dass das in naher Zukunft gehen wird. Sorry für die Umstände & viele Grüße!

      • … hab dank, dennis, ihr habt genug um die ohren, deshalb nur kein stress von meiner seite (ich bleib euch sowieso treu, auch wenns ein bissl länger dauert), beste grüsse, thomas

  14. Ich würde auch abonieren, falls das Online-Formular irgendwann Abonent*innen aus der Schweiz zulassen würde. Leider ist das zur Zeit aus mir nicht erklärbaren Gründen nicht möglich!?

  15. Als Abonnent der 90er Jahre und Flüchtling zum Rollingstone kehre ich dann zurück und gebe mich der Digitalisierung hin. Zumal meine Ausgabensammlung vor 5 Jahren einer Kellerflutung zum Opfer fiel.
    What a journey. Fulminant!

  16. Boa wenn ihr da auch eure Heft-CD als Download beihabt aboniere ich weiter! Ich rippte beim neuen Heft als erstes die CD (ab Heft 9!) laufen die Titel im Zufallsmodus im MP3-Player. Mein Augenfehler richtet meine Sinne leider mehr auf die Ohren – aber jetzt kann ich die Schrift ja schön GROß stellen :D

  17. ich denke dass ich dabei sein werde. Auch wenn ich nicht durchgängig ein Abo hatte, gehört die Spex seit 1986 zu meinem Leben. Auch wegen der Spex saß ich musikalisch immer zwischen allen Stühlen. Mehr Rock, mehr Punk, mehr Postpunk und auch sonst bin ich sehr gespannt. Viele Grüße aus dem Siegerland.

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